Prinzipal-Aufbau
Natürlich "kann" man auf einen lückenlosen Prinzipalaufbau verzichten. Ich finde aber: Man sollte nicht, wenn man nicht unbedingt muss.
Ein barockes Plenum mit 8' + 4' + Mixtur kann zum Beispiel schon völlig anders klingen, als ein Plenum mit 8' + 4' + 2' + Mixtur. Ebenso mit oder ohne Quinte.
Auch bei romantischen Orgeln mit tiefliegenden Klangkronen macht der 2', sofern vorhanden, oft 'ne Menge aus. Man sollte deshalb nicht unterschätzen, um welche Möglichkeiten man sich bringt, wenn man den prinzipalischen 2' einspart.
Und, gerade bei der Gemeindebegleitung finde ich einen prinzipalischen 2' wesentlich wichtiger, als eine 2'-Flöte.
Mir fällt übrigens gerade nicht ein, wo Schnitger auf den 4' verzichtet hätte. Im Frühbarock kam das noch vor, zum Beispiel in Oberwerken, die aber auch nicht für Plena gedacht waren. Die Scherer-Orgel in Tangermünde hat nur eine 4'-Flöte im Hauptwerk, die aber, so weit ich weiß, wie ein Prinzipal verwendet wird.
Die Schnitger-Orgel in Stettin soll in der Tat, nach den Quellen, die ich kenne, keinen 8'-Prinzipal im 16'-Hauptwerk gehabt haben. Dafür Gemshorn, Quintadena und Traversflöte.
Deren Disposition liest sich aber auch so teilweise eher merkwürdig. Das Scharff II-V im Rückpositiv zum Beispiel ist nicht gerade schnitgertypisch.
Gerade Schnitger allerdings war es, der im norddeutschen Orgelbau den geschlossenen Prinzipalaufbau mehr oder weniger zum Standard gemacht hat, auch in der 2'-Lage. Bei Umbauten lässt sich das häufig gut ablesen. Schnitger hat hier häufig den prinzipalischen 2' ergänzt.
Das mag auch damit zusammenhängen, daß Schnitgers Mixturen schlanker und schärfer daherkamen, als ihre Vorgänger. Bei den dumpfer rauschenden Mixturen der Renaissance und des Frühbarock ging ein prinzipalischer 2' eher unter oder war in den vielchörigen Mixturen bereits mehrfach vorhanden, als bei den klaren späteren Schnitger-Mixturen, die sich mit dem 2' hörbar "anreichern" lassen.
Vergleiche mal das Hauptwerksplenum einer "handelsüblichen" mittelgroßen Schnitger-Orgel mit dem einer Frühbarockorgel.
Auch im Zusammenspiel mit der im 17. Jahrhundert flächendeckend eingeführten Sesquialtera zeigt sich, wofür ein prinzipalischer 2' gut ist. Da ist es oftmals der der 2', der aus einer weicheren Cornettmischung ein scharfes "Terzvorplenum" macht.
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- Prinzipal-Aufbau - Reinhold Schafroth, 21.02.2013, 07:48
- Prinzipal-Aufbau - MichaelS, 21.02.2013, 11:52
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