Prinzipal-Aufbau

Friedrich @, Freitag, 22. Februar 2013, 18:00 (vor 4991 Tagen) @ Reinhold Schafroth
bearbeitet von Friedrich, Samstag, 23. Februar 2013, 05:12

welche Disposition ist besser: …

Man muss eben wissen, was man will und was der Raum hergibt.

Ein Prinzipalaufbau ohne Lücke in den Einzelreihen und – was, soweit ich weiß, wichtiger ist – mit einheitlicher Mensur klingt in der Regel schön stabil, gibt eine klare Linie und einen komplexen Vollklang. Im Diskant, wenn die Mixtur in den Bereich der Einzelreihen hinein repetiert, wird die Linearität durch die wachsende Anzahl von Doppel- und Dreifachchören gestärkt. So muss meiner Ansicht nach ein Hauptwerk klingen.

Beim Nebenwerk kommt es drauf an, welche Rolle es übernehmen soll. Ein lückenloser zweiter Prinzipalchor, möglichst noch mit anderer Färbung – mehr Quinten oder mehr Oktaven, eine repetierende oder nicht-repetierende Terz – ist eine wunderbare Sache; egal, ob auf 8'- oder 4'-Basis, wobei letztere von den Sesquialtera-Reihen sehr profitieren kann, die die Äquallinie betonen. So ein Nebenwerk wird tendenziell dem HW dynamisch gleichwertig sein.

Aber: Plenumcharakter hast Du, sobald eine Mixtur im Spiel ist, also die Kombination aus hohen Frequenzen und Repetitionen. Es mag merkwürdig klingen, aber es ist – in meinen Ohren – erst einmal relativ egal, was darunter liegt. Viele Orgelbauer legen z. B. das 4'-Prinzipal im Nebenwerk gern etwas vokaler an als das des HWs, mit höheren Aufschnitten und vielleicht einem flötigeren Diskant. Das mischt sich dann auch besser mit einer nicht zu dicken 2'-Flöte. Dazu eine Sesquialtera und ein Scharf, ein Gedackt drunter (es geht manchmal auch ohne – sehr würzig), und man hat ein sehr charaktervolles Nebenwerkplenum. Es wird dem des HWs wenig ähneln, aber mit ihm konzertieren kann es sehr wohl, denn es wird genauso präsent sein und, wenn überhaupt, nur unwesentlich leiser klingen.

Wenn die Orgel schön auf Mischfähigkeit hin intoniert ist, also mit tendenziell gleicher Lautstärke durch alle Register, dann kann sogar ein Plenum aus Flöten 8 + 4 und großer Mixtur reizvoll klingen, mindestens als kurzfristige Wechselfarbe. Da finde ich es weniger schlimm, wenn im Haupt- oder Nebenwerk eine Lücke oberhalb 4' entsteht; die Mixtur wird dort spätestens ab der Mittellage angelangt sein, und manchen Orgelbauern und Intonateuren gelingt es gut, auch einen weiten 2' in den Prinzipalchor zu integrieren.

Zweifüße können aber auch zickige Wesen sein – regelrecht stutenbissig, wenn sie eine Reihe gleicher Lage neben sich entdecken. Da flirrt es gerne mal, oder eine Reihe reagiert auf Druckabfall stärker als die andere. Da muss man dann beim Registrieren vorsichtig sein und, sollte man einen Orgelbau planen, gut hinhören, ob der in Frage kommende Orgelbauer damit umgehen kann.

Gruß,
Friedrich


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