Neues zu Geisenfeld

MCVL @, Donnerstag, 06. November 2025, 18:41 (vor 297 Tagen) @ MCVL
bearbeitet von MCVL, Donnerstag, 06. November 2025, 19:19

Gerade eben habe ich mir nun diesen Orgelakt durchgesehen, der auch Aktenmaterial zum Umbau durch Maerz 1877 enthält. Was wissen wir zu diesen Arbeiten? Die Kosten haben etwa 4000 Mk. betragen, also ein recht stolzer Preis. In den Unterlagen zum Weise-Neubau wird erwähnt, daß die Orgel mit einem neugotischen Gehäuse versehen war. Ob dies von Maerz 1877 stammt oder schon früher in der Kirche vorhanden war, ist bislang noch unklar. Die Maerz-Unterlagen werde ich bei Gelegenheit einmal genau durchgehen und transkribieren.

Nun aber zur Weise-Orgel.

(Staatsarchiv München, Bestand Bezirksamt Pfaffenhofen/Ilm Nr. 48923 Reparatur der Orgel in der Pfarr-Kirche in Geisenfeld 1877/Erbauung einer neuen Orgel in der Pfarrkirche zu Geisenfeld 1924)

21. August 1924

Die Firma Weise erstellt einen Kostenvoranschlag zu einer neuen Orgel incl. Gehäuse, für welche das vorhandene Pfeifenwerk teilweise wiederverwendet werden soll. Preis 8000 M für einen Teilbau mit 15 klingenden Registern (von 20).

24. August 1924

Beschluß der Kirchenverwaltung Geisenfeld zur Auftragsvergabe an Weise. Die Orgel soll durch freiwillige Gaben finanziert werden.

10. Oktober 1924

Das Landesamt für Denkmalpflege/München hat nichts dagegen, ein neues Orgelgehäuse anstelle des bisherigen neugotischen zu erbauen. Der vorliegende Entwurf entsprach jedoch nicht den Anforderungen des Landesamts. In Zusammenarbeit mit Architekt Ferdinand Thamm/München erarbeitet das Landesamt eine neue Skizze. Ebenso legt das Amt Muster für die Marmorierung des Gehäuses vor und verlangt die Ornamente in Glanzgold auf Eierpoliment auszuführen.

29. Oktober 1924 - Pfarrer Dietl/Geisenfeld an das Bezirksamt Pfaffenhofen/Ilm

Anbei übersende ich den Beschluß der Kirchenverwaltung betr. Anschaffung einer neuen Orgel. Jeder Unumsichtigkeit abhold, muß ich gestehen, daß die neue Orgel bereits bestellt u. teilweise schon fertig gestellt ist. Ich war der Meinung, eine Genehmigung sei nicht mehr vorgeschrieben, da die Mittel nicht dem Kirchenvermögen entnommen werden, da die alte Orgel einen Kunstwert nicht darstellte u. bezüglich des alten u. neuen Gehäuses die zustehende Behörde gefragt wurde. Bezüglich der Kosten übernehme ich die Haftung. Kirchenumlagen werden nicht erhoben. Das Gutachten des Konservatoriums bitte ich dem Gesuche beizulegen. Den Plan des Gehäuses hat der Bildhauer in Händen. Wäre seine Vorlage nötig, so müßte ich ihn von demselben schicken lassen.

22. Januar 1925

Nachträgliche Genehmigung des Neubaus mit dem von Architekt Thamm entworfenen Gehäuse durch die Regierung von Oberbayern/München.

Abnahmegutachten von Josef Renner/Regensburg vom 25. Januar 1925

Am 18. d. Mts. unterzog der Gefertigte die von der rühmlichst bekannten Firma M. Weise in Plattling erbaute Orgel in Geisenfeld einer eingehenden Prüfung, welche nachstehendes Resultat ergab:
Von den 20 Registern, welche die Orgel dem Kostenvoranschlag entsprechend erhalten soll, sind bereits 15 vorhanden, von denen einige aus der alten Orgel übernommen wurden. Diese 15 Stimmen sind durchweg in so hervorragend künstlerischer Weise intoniert, daß der Gefertigte nur den aufrichtigen Wunsch aussprechen kann, es möchten sich baldigst die Mittel zur Einstellung der noch fehlenden fünf Register finden.
Aber auch schon jetzt ist die Klangwirkung sowohl der einzelnen Register wie ihrer Kombinationen und des kraftvoll und festlich klingenden vollen Werkes eine ganz ausgezeichnete und derart abgerundete, daß die Orgel bei jedem Zuhörer nur den Eindruck eines vollständig ausgebauten Werkes von prächtigstem Zusammenklang hinterlassen kann.
Wie schon bemerkt, ist die Intonation jedes einzelnen Registers mit äußerster Sorgfalt durchgeführt und daher eine sehr charakteristische und in allen Lagen überaus tonschöne. Auch in bezug auf präzise Ansprache und reiner Stimmung jedes Tones bleibt nicht das Geringste zu wünschen übrig.
Die pneumatische Einrichtung der Orgel ist nach dem eigenen bewährten System der Firma konstruiert und funktioniert exakt, sicher und vollkommen geräuschlos. Ebenso zeigen das gesamte Pfeifenwerk, das mächtige, reichlichen Wind liefernde Gebläse und der moderne, elegant ausgestattete Spieltisch bestes Material und saubere, sorgfältige Arbeit, wie auch von der Solidität dieser Firma nichts anderes zu erwarten war.
Aus Vorstehendem dürfte zur genüge hervorgehen, daß die imposante und altehrwürdige Pfarrkirche in Geisenfeld mit dieser neuen Orgel ein Meisterwerk erhalten hat, das nicht nur der schönen Kirche zur dauernden Zierde, sondern auch der Firma Weise zur hohen Ehre gereicht. Möchten sich doch, wie schon oben angedeutet, recht bald edle, opferfreudige Spender finden, deren Mildtätigkeit die Anschaffung der noch der Einstellung harrenden 5 Register ermöglichen würde!

Regensburg, 27. Januar 1925

Prof. Josef Renner
Domorganist.

7. März 1925 - Pfarrer Dietl/Geisenfeld an das Bezirksamt Pfaffenhofen/Ilm

[...] zurück mit der Erklärung, daß die Orgel von der Firma Weise in Plattling, eine unserer besten Orgelbauanstalten geliefert ist. Der gedruckte Vertrag, der die Vertragsbedingungen des Verbandes der Orgelbaumeister ganz Deutschlands zum Ausdruck bringt, spricht nur von einer 3jährigen Garantie. Die Prüfung durch den diözesanen Prüfungscommissär hat sehr befriedigt.

Das Bezirksamt Pfaffenhofen verlangt nach dieser Mitteilung eine Erhöhung der Garantiezeit von drei auf fünf Jahre.


Soweit der Auszug aus den Akten. Vielleicht kann Stimmeisen, dem die Orgel bekannt ist, noch etwas dazu beitragen, ob dort evtl. noch vorindustrielles Pfeifenwerk vorhanden ist oder wie viel von Maerz 1877 stammen könnte.


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