Setzeranlage

ArnezN, Dienstag, 27. Januar 2026, 19:22 (vor 212 Tagen) @ link1907

Ich habe die meisten Gottesdienste meines bisherigen Orgellebens an rein mechanischen Orgeln gespielt, großtenteils sogar ohne benummerte Register. Wenn ich in Göttingen mal in St. Jacobi vertreten durfte (Ott mit elektrischer Registertraktur und Setzer), habe ich diese Technik meist ungenutzt gelassen, weil ich das Instrument so gut kannte, dass ein gezielter Griff zur richtigen Wippe einfacher und vor allem spontaner möglich war, als vorher eine genaue Registrierungsabfolge für die Choräle auszuarbeiten, die mir, gerade für die textbasierte Choralbegleitung viel zu starr erschien. Von daher finde ich für liturgisches Orgelspiel eine logische Anordnung der Züge wichtiger, als einen Setzer. Allerdings bevorzuge ich da auch eine Anordnung mit ausreichend Abstand zwischen den Zügen, weil sich die jeweilige Position bzw. die "Landkarte" der Züge einfacher merken lässt, als wenn man 25 kleine weiße und dünn beschriftete Tastschalter vorfindet.

Ich finde es aus pädagogischen Gründen auch sinnvoll, Unterricht an vollmechanischen Orgeln zu geben. Man lernt durch das Ziehen von Registern nicht nur, was mechanisch passiert, sondern man lernt auch die dahinter steckenden Klänge bewusster einzusetzen. Wenn das Aufregistrieren nicht nur durch einen Knopfdruck passiert, sondern durch echten Körpereinsatz verbunden mit der erforderlichen Registrierungsöknomie, bekommt man, meiner Meinung nach, noch einen ganz anderen Zugang zum Stück und zum Instrument. Das ist sicherlich von mir als Mechanik-Fan sicher etwas verklärt betrachtet, aber ich glaube, dass die Fähigkeit, eine mechanische Orgel gut zu registrieren, jedem Organisten gut tun würde. Wenn ich einmal eine vollmechanische Kamera mit externem manuellen Belichtungsmesser genutzt und verstanden habe, habe ich auch viel mehr von Fotografie verstanden, als wenn ich nur das Motiv wählen und mit Programmautomatik abdrücken muss.

Letztendlich ist dann doch auch alles eine Frage der Gewohnheit. Und seien wir mal ehrlich: Welcher Nebenamtler, von denen ja Orgeln in der besprochenen Größe meist bedient werden, spielt regelmäßig im Gottesdienst als Vor- oder Nachspiel Werke, die einen Registranten erforderlich machen?


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