Fachliteratur
Aber ganz erheblich optimierungswürdig! Es ist schon traurig genug, dass so manche deutschen Kollegen noch nicht einmal wissen, wofür die Abkürzungen "AGO" (American Guild of Organists) oder "TAO" (The American Organist; monatliche Zeitschrift der AGO) stehen.
Es erscheint mir wenig konstruktiv zu sein, hier irgend einer Ozeanseite Vorwürfe zu machen. Es stellt sich immer auch die Frage, ob ein Kirchenmusiker in Europa solche Zeitungen und Bücher, geschweige denn deren Inhalt, kennen muss. Die Zielgruppen und die Strukturen, in denen sie Wirken, sind schon sehr unterschiedlich. Man kann sich ja auch mal die Mitgliederverteilung der GdO nach Ländern anschauen...
Interessanter wird solche Fachliteratur erst für "Spezialisten", die sich für ein bestimmtes Teilgebiet aus wissenschaftlichem (Bachelor-, Master- oder Doktor/PhD-Arbeiten) oder spielpraktischem Interesse dafür interessieren.
Überspitzt ausgedrückt: lohnt es sich für einen Kirchenmusiker 90 Euro für ein Franck-, Dupré- oder Vierne-Buch ausgeben, nur um in seiner (alten) Notenausgabe anhand der Fehlerlisten im Anhang ein paar Vorzeichen oder sonstige Drekfuhler auszubessern, wenn sowieso zig andere kleine "Patzer" passieren, weil er eh keine ausreichend Übezeit hatte, die Stücke für die Gottesdienste am Wochenende intensiv, wie er es vielleicht wirklich gewünscht hätte, vorzubereiten oder ihm die Hälfte des Chores beim Nachspiel dankbar auf die Schulter klopfen, wie toll es doch war und einen schönen Sonntag wünschen ;)
Kurze Zwischenanfrage an die praktizierenden Mitleser:
Wer wurde denn mal nach einem Gottesdienst von einem Besucher gefragt, aus welcher Ausgabe er das Stück von Bach/Buxtehude/Vierne/XY/... zur Kommunion/Auszug gespielt hat?
Wenn man so manche aktuelle Wettbewerbsanekdoten mitbekommt, fragt man sich, wieso man selbst als angehender "Virtuose" sich textkritisch mit den Werken auseinander setzen sollte, wenn diese Erkenntnisse aufgrund der verkrusteten Jury-Mentalität abgeschmettert werden: "Ja, schön, dass sie sich Mühe gemacht haben, die Autographe zu studieren, aber das steht nun mal so nicht in meiner Ausgabe...".
Was die US-amerikanische Orgellandschaft angeht, so halte ich beispielsweise Hielschers Buch "Berühmte Orgeln der USA" erst einmal für völlig ausreichend. Wer sich dann für bestimmte Orgeln noch intensiver interessiert, kann ja imemr noch die umfangreichen und äußerst lesenswerten Monographien zu den Orgeln im Wanamaker-Store, Mormon Tabernacle oder Atlantic City besorgen. Finden und ordern kann man sie ja.
In Deutschland kann man allerdings vom Glück sagen, dass man in den (weiterführenden) Schulen wenigstens Fremdsprachen einigermaßen gut lernt und je nach dem mit englischsprachiger (immerhin wissenschaftlicher Standard) oder französischer Literatur überhaupt was anfangen kann bzw. einigermaßen problemlos jemnden findne kann, der beim Übersetzen helfen kann. In den anderen Ländern, insbesondere den USA, scheint mir das nicht so der Fall zu sein ("Wieso sollte man als Engländer orde rAmerikaner eine Fremdsprache lernen, wenn alle Englisch können?" ;) ). Kein Wunder, dass dann umgekehrt deutschsprachige Fachliteratur ignoriert wird.
Das krasseste Beispiel,das mir mal begegnet ist, war eine amerikanische D.M.A.-Arbeit über Karg-Elerts BACH-Passacaglia. Der/Die VerfasserIn analysierte in dieser Arbeit das Werk als "typisches Beispiel" eines Karg-Elert-Großwerks. In der ganzen Arbeit wird allerdigns kein Sterbenswörtchen über die nebulöse Entstehungsgeschichte und Fassungen des Werkes verloren. Das Werk exisitiert nur in Bearbeitungen von Piersig und Stockmeier, die Originalfassung von Karg-Elert ist verschollen. Diese Problematik wird in so gut wie jedem CD-Booklet zumindest erwähnt und sollte jemanden, der sich intensiv mit dem Stück beschäftig, irgendwann mal "über den Weg gelaufen" sein. Unfassbar, dass gerade dieses Werk dann als "typisch Karg-Elert" ausgewählt und wie ein "originaler" Karg-Elert behandelt wurde. Und das (trotz der bedauerlichen Subjektivismen) Standardwerk über Karg-Elerts Orgelwerke von Günter Hartmann - deutschsprachig - erscheint in der Literaturliste leider überhaupt nicht.
Gruß
Karsten
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- The Genius of Cavaillé-Coll - JSBach, 29.12.2012, 23:41
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- Orgelprojekt Petersdom in Rom: Buch von Ronald Ebrecht - Cor de Basset, 30.12.2012, 13:40
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