Stammt die d-moll Toccata von Bach?
Ich selbst glaube, dass das Werk tatsächlich von Bach ist und zwar deshalb, weil Johann Ludwig Krebs in seinem Präludium und Fuge d-moll das 565er Fugenpedalsolo zitiert. Krebs hat das in seinen großen Präludien oft gemacht. Wundersamerweise finden sich gerade Zitate früher Bachpräluden wieder, wie das kleine c-moll, das D-dur oder die C-dur 564.
(selbst rausgefunden? Hut ab!)
Ja, selbst rausgefunden, aber ich kann mir kaum vorstellen, dass ich der Erste und Einzige bin, dem das aufgefallen ist.
gefällt mir bisher am besten von allen, die ich pro oder contra gehört habe. Es ist natürlich nicht zwingend, denn streng genommen kann Krebs zitieren, wen immer er will, und er hat nicht "Ist von Bach!" drangeschrieben. Aber wenn er in seinen Orgelsachen ausschließlich Bach zitiert (tut er das? Es könnte immer noch ungeklärte Zitate anderer Komponisten geben), dann ist das ein richtig gutes Argument.
Das kann ich mir bei Krebs nicht vorstellen, denn andere Zitate würden ihm wohl kaum ins Konzept passen. Das C-dur Präludium verdeutlicht genau was ich meine. Man könnte dem Krebs angesichts dieser Werke mangelnde Kreativität vorwerfen, aber es ist doch ganz eigene (und fast schon eigenartig verschrobene) Musik entstanden. Die Werke von Krebs sind sehr artifiziell und absolut gefühlskalt und das ist das geniale an Krebs.
In der d-Moll-Toccata fühlt sich nichts so an, so halbgar. Sie ist zwar sprunghaft, hat aber eine überzeugende Dramaturgie; und das rhythmische Pulsieren -- das ist schon gesagt worden -- treibt einen förmlich aufs Ende zu. Wie Christoph Wolff in einem Seminar in Freiburg fragte: "Wer zu dieser Zeit in dieser Gegend sollte so etwas komponiert haben -- von dem wir wiederum nichts Vergleichbares haben?" Und Konrad Küster meinte, über ein so gelungenes Stück "J. S. Bach" zu schreiben, das sie doch verkehrtes Fälschen -- wenn, dann möchte man es doch sich selber zuschreiben.
Man darf auch nicht vergessen, dass wir nur eine einzige Abschrift von der d-moll-Toccata haben und die ist nicht die beste. Es ist auch anzunehmen, dass Krebs eine eigene Abschrift besessen hat, die wohlmöglich noch irgendwo rumliegt.
Was mich inzwischen etwas nervt, ist die in der Alte-Musik-Szene um sich greifende Ansicht, das Stück sei erwiesenermaßen Violinmusik. Erwiesen ist da nämlich gar nichts, und imitatio violinistica war ein gängiges Tasten-Stilmittel.
Diese Leute sollten mal ihre Lauscher aufstellen. Wenn man so Violinmusik definiert, dann wäre 90 % der Claviermusik des 18. Jahrhunderts Violinmusik.
Gruß,
Friedrich
Gruß zurück Franz
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- Stammt die d-moll Toccata von Bach? - orgelsolo, 04.08.2011, 19:29
- Stammt die d-moll Toccata von Bach? - FranzS., 04.08.2011, 21:08
- Stammt die d-moll Toccata von Bach? - Friedrich, 05.08.2011, 09:14
- Urheberrecht - BourdonCéleste, 05.08.2011, 11:31
- Stammt die d-moll Toccata von Bach? - FranzS., 05.08.2011, 14:08
- Stammt die d-moll Toccata von Bach? - Martin78, 05.08.2011, 11:11
- OT: Krebs zitiert Bach - tiratutti, 05.08.2011, 16:32
- OT: Krebs zitiert Bach - FranzS., 05.08.2011, 17:45
- Stammt die d-moll Toccata von Bach? - Tastenhalter, 05.08.2011, 16:55
- Stammt die d-moll Toccata von Bach? - FranzS., 05.08.2011, 17:32
- Stammt die d-moll Toccata von Bach? - Andreas Scotty Böttcher, 07.08.2011, 19:53
- Stammt die d-moll Toccata von Bach? - Friedrich, 05.08.2011, 09:14
- OT: Stammt die d-moll Toccata von Bach? - Martin78, 05.08.2011, 12:18
- OT: Stammt die d-moll Toccata von Bach? - Tabernakelwanze, 07.08.2011, 15:10
- OT: Stammt die d-moll Toccata von Bach? - Poupoulcorouse, 08.08.2011, 09:54
- OT: Stammt die d-moll Toccata von Bach? - Subkoppel II - I, 08.08.2011, 12:34
- OT: Stammt die d-moll Toccata von Bach? - Poupoulcorouse, 08.08.2011, 09:54
- OT: Stammt die d-moll Toccata von Bach? - Tabernakelwanze, 07.08.2011, 15:10
- Stammt die d-moll Toccata von Bach? - FranzS., 04.08.2011, 21:08