Stammt die d-moll Toccata von Bach?

FranzS. @, Freitag, 05. August 2011, 17:32 (vor 5507 Tagen) @ Tastenhalter

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Seit den Plagiatsskandalen der letzten Zeit wissen wir, dass ein Zitat die wörtliche Übernahme von Texten anderen bedeutet. Das ist aber hier keineswegs der Fall, du schreibst später selbst von der "unverkennbaren Ähnlichkeit" mit dem 565er Pedalsolo.
Und um mehr handelt es sich in diesem Falle auch nicht. Man kann bei Bach weitere ähnliche Stellen finden, z.B. am Anfang der Klaviertoccata d-Moll BWV 913, bei der die Übereinstimmung mit der besagten Krebs-Stelle m. E. größer ist, vor allem durch den harmonischen Verlauf der Figuration. Und solche treppenartig absteigende oder akkordbrechende Figurationen sind typisch für barocke Pedalsoli. Weitere Übereinstimmungen mit BWV 913 findet man in der Krebs-Fuge ab Takt 175. Ob solche Ähnlichkeit bewußt gesetzt worden ist, lässt sich sicher nicht beurteilen, sie entspringt vermutlich eher der seinerzeit gängigen Musiksprache. In fast allen Pedalsoli von Krebs lassen sich zahlreiche Anklänge an diese d-Moll-Stelle nachweisen. (vgl. Pedalsolo Toccata E-Dur,Toccata a-Moll, Präludium G-Dur, c-Moll und D-dur).

Hallo, mit Zitat habe ich mich wohl falsch ausgedrückt. Die Ähnlichkeit des besagten Pedalsolos halte ich aber trotz deiner guten Gegenargumente für unverkennbar. BWV 913 ist natürlich schon ein gutes Gegenargument, aber wie ich auch erwähnt habe, kann man vor allem frühe bachsche Orgelwerke bei Krebs hören. Solche Ähnlichkeiten hat zumindest Krebs bewusst gesetzt, vor allem im c-moll Präludium ist das am offensichtlichsten. Der Sinn des Pedalsolos ist bei Krebs schon ein Anderer, aber ob Krebs das Pedalsolo nur geschrieben hat um es später thematisch weiter zu verarbeiten? Trotzdem bleiben die Tatsachen, dass Krebs aus frühen Orgelwerken zitiert hat, die ähnliche Linienführung, die Tonart und einziges Pedalsolo in einer Krebsfuge (warum gerade in der d-moll Fuge?)


Aus Ähnlichkeiten im Werk von Krebs die Autorenschaft Bachs an BWV 565 herzuleiten, scheint mir aufgrund meiner Beobachtungen nicht zwingend. Er benutzt gängige Muster, die sich aus der engen Anlehnung an die Werke seines Lehrers ergeben und deren Vorbild auch in anderen Kompositionen Bachs zu finden sind.

Er benutzt gängige Muster, das ist wahr, aber Anspielungen auf einen bestimmten Bach kommen nie zweimal vor. In der (späteren) E-dur Toccata (vielleicht sein bestes Werk) kann ich keine direkte Vorlage erkennen. Das G-dur Präludium ist zweifellos nach einer Vorlage von Bach komponiert, die uns jedoch nicht bekannt ist. Also Leute, durchkämmt die Archive, denn ein großes G-dur von Bach liegt noch unbekannt rum ;-)

Grüße Franz


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