Stammt die d-moll Toccata von Bach?

Tastenhalter @, Freitag, 05. August 2011, 16:55 (vor 5506 Tagen) @ FranzS.

Hallo FranzS.,

aus Beobachtungen am Werk von J. L. Krebs auf die Echtheit von BWV 565 zu schließen, ist zweifellos ein interessanter Ansatz, ob sich diese damit beweisen lässt, eine andere Sache. Ich halte die Autorenschaft Bachs zwar auch für wahrscheinlich, aber nicht

deshalb, weil Johann Ludwig Krebs in seinem Präludium und Fuge d-moll das 565er Fugenpedalsolo zitiert.
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Seit den Plagiatsskandalen der letzten Zeit wissen wir, dass ein Zitat die wörtliche Übernahme von Texten anderen bedeutet. Das ist aber hier keineswegs der Fall, du schreibst später selbst von der "unverkennbaren Ähnlichkeit" mit dem 565er Pedalsolo.
Und um mehr handelt es sich in diesem Falle auch nicht. Man kann bei Bach weitere ähnliche Stellen finden, z.B. am Anfang der Klaviertoccata d-Moll BWV 913, bei der die Übereinstimmung mit der besagten Krebs-Stelle m. E. größer ist, vor allem durch den harmonischen Verlauf der Figuration. Und solche treppenartig absteigende oder akkordbrechende Figurationen sind typisch für barocke Pedalsoli. Weitere Übereinstimmungen mit BWV 913 findet man in der Krebs-Fuge ab Takt 175. Ob solche Ähnlichkeit bewußt gesetzt worden ist, lässt sich sicher nicht beurteilen, sie entspringt vermutlich eher der seinerzeit gängigen Musiksprache. In fast allen Pedalsoli von Krebs lassen sich zahlreiche Anklänge an diese d-Moll-Stelle nachweisen. (vgl. Pedalsolo Toccata E-Dur,Toccata a-Moll, Präludium G-Dur, c-Moll und D-dur).


Krebs hat das in seinen großen Präludien oft gemacht.
Das ist zweifellos der Fall.

Oft sind die Zitate in der gleichen Tonart, nur das große h-moll gibts bei Krebs als f-moll und die F-dur Toccata in a-moll.
Hier kann man aber auch nicht von Zitaten, allenfalls von Nachahmung von Mustern oder Vorlagen sprechen.

Zurück zum d-moll; Krebs fügt in die d-moll Fuge das Pedalsolo der 565er Fuge ein. Man könnte einen Zufall vermuten, aber in Anbetracht der Tatsache, dass Krebs in keiner seiner Fugen ein Pedalsolo bastelt (warum gerade in der d-moll Fuge eines, wenn Bach es nicht genauso gemacht hätte?),

Diese Stelle hat m. E. eine andere Bedeutung als die besagte bei Bach: Es handelt sich nicht um ein Pedalsolo im üblichen Sinne, wobei oft eine eigenständige, sich vom übrigen Material unterscheidende Motivik vorherrscht, sondern um die Einführung des 2.Themas in der Doppelfuge, das im Pedal vorgestellt und von den übrigen Stimmen beantwortet wird. Es taucht später nochmals in a-Moll im Pedal auf als Kontrapunkt zu den Oberstimmen und wird schließlich mit dem 1. Thema verknüpft, das im Übrigen auch in der Umkehrung verarbeitet wird, wodurch sich z. T. die ungewöhnliche Länge der Fuge von 228 Takten erklärt.

Aus Ähnlichkeiten im Werk von Krebs die Autorenschaft Bachs an BWV 565 herzuleiten, scheint mir aufgrund meiner Beobachtungen nicht zwingend. Er benutzt gängige Muster, die sich aus der engen Anlehnung an die Werke seines Lehrers ergeben und deren Vorbild auch in anderen Kompositionen Bachs zu finden sind.


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