OT: Stammt die d-moll Toccata von Bach?

Poupoulcorouse @, Mülheim am Rhein, Montag, 08. August 2011, 09:54 (vor 5503 Tagen) @ Tabernakelwanze

Naja, ob die Unvermeidliche jetzt SO schlecht ist, daß man sie diesem (Zitat) "profoundly shallow composer" zueignen mag, möchte ich jetzt nicht beurteilen.

WENN sie von P. D. Q. Bach stammt, dann müsste es zumindest eine doch sehr ähnliche Vorlage gegeben haben. Aber vielleicht ist sie auch bloß verschollen.


Ich bin ja Anhänger der Theorie, daß Buxtehudes Tochter Anna Margareta die wahre Urheberin des Stückes ist. Sie wollte den jungen Bach mit ihrem Stück beeindrucken und ihn dazu bringen, seine Ablehnung ihres überlieferten Liebreizes noch einmal zu überdenken. Leider kam es nicht dazu. Bach hat mit dem Manuskript von Anna Margareta Buxtehude ein undichtes Fass guten Lübecker Herings abgedichtet, das er auf seiner Rückreise mit nach Arnstadt nahm. Über Umwege gelangte das Papier nach Gräfenroda, der Wirkungsstätte Kellners, wo es 1736 beim Orgelneubau zur Abdichtung eines Windkanals benutzt wurde.
Bei einer Ausreinigung der Orgel durch Kellners Schüler Johannes Ringk kam es dann zu einer denkwürdigen Begebenheit: Ringk wurde in den Abendstunden von Kellners Nichte Marie Elisabeth Wuckel aufgesucht, die ihm, ob der fortgeschrittenen Stunde, das Nachtmahl direkt an die Orgel bringen sollte. Da es schon dunkel wurde und beide sich ungestört wähnten, kam es, wie es kommen musste. Leider wurde das junge Glück durch den Küster gestört, der auf dem Heimweg vom Gasthaus schwer angetrunken und also orientierungslos glaubte, daß es schon Sonntag Morgen sei und also die Kirche aufsuchte, jedoch nicht orientierungslos genug war, um Anhand der Geräusche nicht zuordnen zu können, was auf der Empore vor sich ging - aber, herzensguter Mensch, der er war, den jungen Orgelschüler lediglich dazu nötigte, sich sein Schweigen mit dem Vortrag eines schönen Orgelstückes zu verdienen.
Als nun dem verzweifelten Ringk schon minutenlang partout nichts einfallen wollte, was er dem immer ungeduldiger werdenden Küster vortragen könnte, erinnerte er sich schließlich an die unbekannten Noten aus dem Windkanal. Der herzhaft angetrunkene Küster war derweil auf die Kanzel in eine akustisch günstige Position gekrabbelt und wartete hörbereit. Was er dann vernahm, muss ihn so erfreut haben, daß er sich nach dem Schlussakkord lautstark von der Kanzel herab auf die ersten Bankreihen erbrach. Ringk, dankbar darüber, daß der Küster sich am nächsten Morgen an nichts erinnern konnte, übertrug das unbekannte Stück ins Reine und schrieb es, um Eindruck zu schinden, Johann Sebastian Bach zu.

Ob die Tatsache, daß Ringk das Stück auf einer zweifellos mitteltönig gestimmten Orgel vortrug, zum Vergessen des Küsters beigetragen hat, ist leider nicht überliefert.


Erst Jahre später, im Zuge der wissenschaftlichen Aufarbeitung der Tagebücher des Lübecker Heringshändlers Johann Fürchtegott Pudersen in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, kam heraus, daß das in der Gräfenrodaer Orgel aufgefundene Manuskript nur von Anna Margareta Buxtehude stammen kann. Es ist somit ihr erstes und einziges überliefertes Orgelwerk.


Als kleines Schmankerl zum Schluss und als klangliche Illustration dieser musikhistorischen Ausnahmebiografie möchte ich euch noch auf diese Aufnahme hinweisen:

http://www.youtube.com/watch?v=dHOcCLvUeH4

Es zeigt die traditionelle Aufführung ihres magnum opus in mitteltöniger Stimmung, mit der die jährliche Vollversammlung der Anna Margareta Buxtehude Foundation eröffnet wird. Die beinahe schon schmerzhaft hörbare Zerrissenheit, die sich auch wie ein roter Faden durch Anna Margareta Buxtehudes windschiefe Biographie zieht, könnte keinen frappierenderen Ausdruck bekommen, als in dieser schon beinahe zum Ritual geronnenen Interpretation.


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