Franz Schmidt & Eugène Gigout

Karl-Bernhardin Kropf @, Rostock, Dienstag, 17. Februar 2026, 11:50 (vor 192 Tagen) @ Stephan Kreutz

Von Schmidt ist von mehreren Seiten überliefert, dass er ein geradezu fotografisches Gedächtnis hatte und zudem so ziemlich alles, was er zum Teil auch nur einmal gehört hatte, nahezu fehlerlos nachspielen konnte. Insofern halte ich die Theorie der "unbewussten" Nutzung von kompositorischem Fremdmaterial bei ihm für sehr unwahrscheinlich. Wenn, dann hätte er das wohl bewusst gemacht. Die Frage ist doch eher: Wurde Gigout damals in Wien überhaupt gespielt? Mir ist nicht bekannt, ob sich Schmidt mit der französischen Orgelmusik irgendwie beschäftigt hätte.

Meine Vermutung ginge auch eher in eine Fassung mit Bläsern, so als Festmusik - ja, wenn überhaupt. Die Skepsis, dass in Wien derlei gepflegt wurde, teile ich.
In der Heitmann-Biographie wird erwähnt, dass Fritz Heitmann erstmals 1926 in Wien war (die Toccata ist von 1924), die Beziehung zu Schmidt entwickelte sich gut, wie auch die Widmung der Vier Präludien und Fugen (1928) zeigt. Bei einem 14tägigen Orgelkurs in Wien im Mai 1928 gab Heitmann vier Konzerte, die sich nur der Geschichte der deutschen Orgelmusik widmeten. Das war in jenen Jahren natürlich "dran". Heitmann spielte zuvor schon Alain und Messiaen, aber für Wien würde ich da ebenfalls unterstellen, dass französische Romantik oder gar 20. Jahrhundert in der Orgelmusik keine nennenswerte Rolle spielten. Florian weiß vermutlich mehr dazu?

Der Hinweis auf das fotographische Gedächtnis lässt in der Tat eine unbewusste Nutzung weniger wahrscheinlich erscheinen.
Vielleicht liegt es ja an meinem geringen Überblick - andere könnten noch zwei, drei weitere "Analog-Stellen" in der Literatur finden, aber, als Zufall betrachtet, ist es schon ein sehr eindrucksvoller Zufall. Hier noch mal die Gemeinsamkeiten herausgestellt:
[image]


gesamter Thread:

 

powered by my little forum