Frage Orgelflügel (Türen)

Christoph @, Mittwoch, 27. November 2013, 22:10 (vor 4655 Tagen) @ Karl-Bernhardin Kropf

Hallo!

Vielleicht hat jemand ja "Die gemalten Orgelflügel in Europa" zur Hand oder einfach nur Fachwissen....

Eine Quelle spricht von Orgelflügeln (Türen, nicht Instrumente!) mit bemalter Leinwand, ein Fachbuch erwähnt leinenbespannte Rahmen als Flügel - muss man sich das tatsächlich nur als Rahmen (vermutlich incl. div. Querstreben zur Statik) denken, der ein oder zwei Lagen Leinwand dazwischen hat? Oder ist hinter der Leinwand immer auch noch eine Holzplatte?

Gibt es Beispiele/Quellen für leinwandbespannte Flügel, die aber auch die Form von Türmen mit aufgreifen, also nicht nur völlig flach sind?

Danke für Informationen

Hallo Forum,
das erwähnte Buch beschäftigt sich vornehmlich mit der Beschreibung des Bildinhaltes der jeweiligen Orgelflügel, wobei der Text für meinen Geschmack eher oberflächlich daherkommt. Dafür gibt es teils sehr gute Abbildungen, teils auch auf Amateur-Niveau.
Zu den gestellten Fragen habe ich im Buch keine befriedigende oder auch nur ansatzweise Überblick bietende Abhandlung gefunden (obwohl das der Titel erwarten ließe), im Text zu den Einzelbeschreibungen ist manchmal von Leinwandbildern die Rede, manchmal von bemalten Holzflügeln, wobei mir scheint, dass es sich bei der Leinwand-Technik um die vornehmere Methode handelt. Anhand der Fotos kann man nicht immer sicher entscheiden, worum es sich handelt.
Beispiele für Leinwand: Kunstmuseum Basel, Flügelbilder von Hans Holbein d. J. um 1528. Sie werden mit den Flügeln der Valeria-Orgel in Sion als "Spitzenwerke der sogenannten Tüchleinmalerei" bezeichnet, "einer über Jahrhunderte hinweg angewandten, jedoch unbeständigen Maltechnik auf ungrundierter Leinwand, deren Werke im Laufe der Zeit nahezu vollständig verschlissen und untergegangen sind." Auf Abbildungen aus Sion kann man auf der Leinwand Abdrücke, bzw. farbliche Veränderungen erkennen, die aus dem Rahmenwerk des Flügels resultieren könnten (wobei innerhalb des Rahmenwerkes theoretisch auch Füllungen vorhanden sein könnten; ich persönlich würde aus Gewichts- und Beweglichkeitsgründen eher einen einfachen Rahmen erwarten).
Zum Thema "Tüchleinmalerei" findet sich ein Beitrag in dem informationsreichen Buch über die Valeria-Orgel, von dem ich mir früher mal Teile kopiert habe, aber leider nicht über die Flügel.
Weitere Beispiele: Brustwerkstüren Lübeck, Stellwagen-Orgel: Türen aus Holz (Text sagt nicht, ob Rahmen oder Tafeln), beidseitig mit Leinwand bespannt, Basedow: Mitteilung, von den Flügeln des RP seien nur noch die Holzrahmen auffindbar gewesen. Die Pedaltürme verfügen interessanter Weise nicht über Flügel, sondern über bemalte Leinwandvorhänge, die gleich einer Gardine zugezogen werden können.
Die Frage nach plastischen Flügeln kann man aus dem Buch heraus auch nicht erschöpfend klären. Auf Fotos aus Alkmaar sieht man ebene Bildbereiche zwischen den Turmrundungen, die ringsum mit Nieten befestigt zu sein scheinen, was auf Leinwand hindeutet. Auf den Türmen kann ich dergleichen nicht erkennen. Hier scheint eine Art Mischtechnik zwischen Leinwand- und Holzmalerei vorzuliegen. In einem niederländischen Buch über die große Orgel in Alkmaar fand ich Abbildungen von Röntgenaufnahmen, die anlässlich der Restaurierung in den 80ern entstanden. Sie zeigen u. a. rechteckige Felder mit Querstreben, also ein ausgesteiftes Rahmenwerk. Den niederländischen Text verstehe ich nicht im Detail, hatte auch nicht viel Zeit, mich damit zu beschäftigen.
Noch eine letzte Beobachtung: die Flügel der großen Orgel in der Nieuwe Kerk in Amsterdam zeigen zummindest an der Außenseite ringsum eine Nietenreihe, ebenso vertikal an den die Türme flankierenden Knicken. Ich wäre geneigt anzunehmen, dass hier große Leinwandbilder plastisch an den Flügeln befestigt sind.
Hoffe, Interessantes beigetragen zu haben.
Christoph


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