Basilika Trier, Prospektpfeifen, war: Seifert-Orgel in Kaufbeuren

Friedrich @, Donnerstag, 18. Juni 2015, 11:16 (vor 4089 Tagen) @ friedemannw

Kann es sein, dass wir da gerade etwas bequem von unserer eigenen Gegenwart her denken? Die Orgeln sind um die 300 Jahre alt, wir erleben sie, wenn’s hochkommt, über eine Frist von vielleicht fünfzig Jahren. Sollten wir uns da an solchen gescheckten Prospekten stören und »Verbesserung« fordern, wenn doch eigentlich nur unser Wunsch nach einem äußerlich homogenen Bild nicht erfüllt wird?

Anders gefragt: Gibt es denn überhaupt eine funktionierende Alternative, das Material künstlich zu patinieren? Funktionierend heißt auch: Alt und neu altern nebeneinander auf demselben Stand weiter, und in fünfzig oder hundert Jahren kommt keiner von unserer Sorte daher, zeigt auf eine Pfeife von 2015 und sagt: »Haha, künstlich gealtert, die wollten’s wohl scheen haben, und wir ham jetzt den Salat!«

Orgelbaulich ist es meiner Ansicht nach nicht nur die redlichste, sondern auch die handwerklich und musikalisch sauberste Version, neue Pfeifen so einzusetzen, wie die alten eingesetzt wurden. Zumal die Materialalterung auf den Klang offenbar kaum Einfluss hat, wenn ich da auf den neuesten Stand bin.

Wenn’s nun kunterbunt aussieht, ist nicht dem Orgelbauer die Schuld zu geben, der die Restaurierung ausgeführt hat, sondern den Leuten, die die Pfeifen so behandelt haben, dass sie nun aufgearbeitet oder ersetzt werden mussten.

Viele Grüße
Friedrich


gesamter Thread:

 

powered by my little forum