Basilika Trier, Prospektpfeifen, war: Seifert-Orgel in Kaufbeuren
Kann es sein, dass wir da gerade etwas bequem von unserer eigenen Gegenwart her denken? Die Orgeln sind um die 300 Jahre alt, wir erleben sie, wenn’s hochkommt, über eine Frist von vielleicht fünfzig Jahren. Sollten wir uns da an solchen gescheckten Prospekten stören und »Verbesserung« fordern, wenn doch eigentlich nur unser Wunsch nach einem äußerlich homogenen Bild nicht erfüllt wird?
Nein, ich denke nicht so. Wenn ich eine rekonstruierte Pfeife in ein bestehendes Register einfüge, passe ich die Pfeife materialmäßig und mensurmäßig den vorhandenen Pfeifen an. Wenn ich sie dann intoniere, passe ich sie auch dem Klang der vorhandenen Pfeifen an. Wenn es z.B. ein langsam ansprechendes Streicherregister ist, sehe ich auch zu, dass die neue Pfeife genauso "schlecht" anspricht, wie die Nachbartöne, auch wenn ich wüsste, dass die neue Pfeife deutlich besser ansprechen könnte. Nun ist also Material, Form und Klang den alten Pfeifen angepasst. Warum also nicht auch die Optik? Orgelbau ist immer das Streben nach einem homogenen und gefälligen Bild, sowohl das Äußere einer Orgel, als auch das Innere. Für den klanglichen Bereich gilt das natürlich auch.
Praktische Beispiele:
Bei einer Restaurierung einer 60er-Jahre Orgel haben die Prospektpfeifen wieder Seitenbärte bekommen. Die großen Prospektpfeifen (Zinkpfeifen, noch aus der Vorgängerorgel) hatten nachweislich Bärte und funktionierten ohne Bärte nur mäßig gut. Also hab ich wieder welche drangelötet. Lötet man auf alten, bronzierten Zinkpfeifen, geht das meist von sich aus schlecht, es löst sich auch gerne die Farbe ab. Also: Wieder etwas retuschieren, weil sonst sieht's echt aus wie gepfuscht!
Um einen klanglichen Übergang zu den 60er-Jahre-Pfeifen zu bekommen, haben einige dieser Pfeifen auch zusätzliche Bärte bekommen. Zufällig hatte ich Metall des selben Erbauers aus etwa der gleichen Zeit in der Werkstatt. Daraus habe ich die Bärte (mit historischer Patina!) geschnitten und angelötet. Bis auf die "neue" Lötnaht fällt es kaum auf. Sieht gut aus, finde ich.
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Bei einer Restaurierung bekommt eine Orgel neue Prospektpfeifen, die in ihren Maßen den alten Zinkpfeifen entsprechen. Schon im alten Zinkprospekt war der Labienverlauf stark unausgeglichen. Die neuen Prospektpfeifen werden eingebaut und natürlich sind die Labienverläufe wieder sehr unausgeglichen, bedingt auch durch die ungleichmäßige Kesseltiefe der alten Prospektstöcke. Sieht aus wie vorher, nur mit neuen Pfeifen. Kann man das so lassen? Nein! Also passe ich alles an (ohne Entfernen von historischer Substanz, mit warmleimgeklebten, säurefreien Lederringen), dass es gut und gleichmäßig aussieht. Sieht gut aus, auch wenn an dem alten, wertvollen Örgelchen kaum eine lotrechte Stelle zu finden ist ;)
Ich habe nichts dagegen, wenn z.B. im Orgelinneren angelängte Pfeifen auch so aussehen (also neues auf altem Material). Wenn es Aussen sehr scheckig aussieht, dann finde ich das störend.
Bei historischen Gehäusen retuschieren selbst Kirchenmaler, Restauratoren & Co. neue Teile. Am Borgentreicher Gehäuse wurde viel rekonstruiert; wäre dort farblich nicht großflächig retuschiert und neu gefasst worden, sähe die Orgel echt besch...eiden aus!
Anders gefragt: Gibt es denn überhaupt eine funktionierende Alternative, das Material künstlich zu patinieren? Funktionierend heißt auch: Alt und neu altern nebeneinander auf demselben Stand weiter, und in fünfzig oder hundert Jahren kommt keiner von unserer Sorte daher, zeigt auf eine Pfeife von 2015 und sagt: »Haha, künstlich gealtert, die wollten’s wohl scheen haben, und wir ham jetzt den Salat!«
Die von Eule in Trier angewandte Methode mit Säuren ist eine bewährte Praxis, womit man Pfeifen oberflächlich auch sehr dunkel hinbekommt. Man kann sich auch Rat bei Metallrestauratoren holen, die da beeindruckende Techniken haben. Z.B. wurden die Prospektpfeifen in Waltershausen mit Metallkonservatorischen Mitteln wieder zum Glänzen gebracht - Substanzverlust gab es nicht! Die Prospektpfeifen waren stark angegriffen durch früheres Abziehen mit der Ziehklinge (!!!) und anschließendes Anfassen OHNE Handschuhe! So wurde in Absprache ein im Orgelbau nicht gängiges, metallkonservatorisches Verfahren angewandt, um wieder ein einheitliches Bild zu erhalten. Zusätzlich wurden die Pfeifen mit Zaponlack (reversibel!) lackiert.
Das heißt für mich !!!NICHT!!!, dass überall die historische Patina entfernt werden soll, man muss hier IMMER gewissenhaft alle Optionen abwägen.
Wenn’s nun kunterbunt aussieht, ist nicht dem Orgelbauer die Schuld zu geben, der die Restaurierung ausgeführt hat, sondern den Leuten, die die Pfeifen so behandelt haben, dass sie nun aufgearbeitet oder ersetzt werden mussten.
Dem Orgelbauer gab ich auch keine Schuld; ich weiß, dass es viele Kollegen gibt, die ein so scheckiges Bild nicht akzeptabel finden. Aber man fügt sich oft merkwürdigen Vorschriften...
Viele Grüße
Friedemann
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Friedrich,
06.12.2013, 21:21
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Dorforganist,
07.12.2013, 01:36
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Daniel,
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jrbecker,
08.12.2013, 08:38
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T.Mayr,
01.01.2014, 18:28
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Friedrich,
01.01.2014, 22:35
- Seifert-Orgel in Kaufbeuren - T.Mayr, 02.01.2014, 00:47
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Friedrich,
01.01.2014, 22:35
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T.Mayr,
01.01.2014, 18:28
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jrbecker,
08.12.2013, 08:38
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untersatz32,
07.12.2013, 17:30
- Seifert-Orgel in Kaufbeuren - Schmid Prospekt Trompeten - jrbecker, 16.06.2015, 17:23
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Wolfgang Gourgé,
07.12.2013, 20:36
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Regermann,
16.06.2015, 09:42
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MAT,
16.06.2015, 10:37
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untersatz32,
16.06.2015, 14:39
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friedemannw,
16.06.2015, 15:28
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Kooiker,
16.06.2015, 16:37
- Borgentreich, Prospektpfeifen, war: Seifert-Orgel in Kaufbeuren - friedemannw, 16.06.2015, 19:08
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Evacuant,
16.06.2015, 22:30
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hardy,
17.06.2015, 15:41
- Basilika Trier, Prospektpfeifen, war: Seifert-Orgel in Kaufbeuren - Frank Berger, 17.06.2015, 16:47
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Florian-L,
18.06.2015, 08:39
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friedemannw,
18.06.2015, 09:04
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Große Pfeife,
18.06.2015, 10:04
- Amalien-Orgel, Prospektpfeifen, war: Seifert-Orgel in Kaufbeuren - friedemannw, 18.06.2015, 10:22
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Große Pfeife,
18.06.2015, 10:04
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friedemannw,
18.06.2015, 09:04
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hardy,
17.06.2015, 15:41
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Friedrich,
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16.06.2015, 16:37
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Dorforganist,
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