Seifert-Orgel in Kaufbeuren

T.Mayr, Donnerstag, 02. Januar 2014, 00:47 (vor 4623 Tagen) @ Friedrich

Von den Fotos her habe ich den Eindruck, dass sich die Farbigkeit der Schmid-Orgel auf das Deckengemälde bezog, die der neuen Seifert-Orgel aber mehr am Kirchenraum orientiert ist. Das nimmt ihr – wiederum den Fotos nach – etwas von der Wucht ihrer Kubatur. Die Dimensionen werden so auch deutlicher.

Die CD klingt übrigens wirklich fabelhaft. Ich muss mich noch auf die Suche nach der einst befragezeichneten Schalmei machen (vielleicht in Walthers »Jesu, meine Freude« irgendwo solo zu hören), um mal zu hören, was das für ein Tier ist. Nach der CD zu urteilen, scheint jedenfalls der Weggang Saages erst einmal keinen weiteren Nachteil bedeutet zu haben. Was ja sehr erfreulich ist.

Der Eindruck täuscht ein wenig: die spätere Farbgebung der Schmid-Orgel nahm hauptsächlich das violett-rot der Bilderrahmen in der Kirche auf. Es wurden die Vorderkanten in diesem Farbton übermalt und die goldenen Schleierbretter angebracht, ein Teil der Zinnpfeifen wurden braun bemalt (vielleicht eher hier der Bezug aufs Deckengemälde?). Die kupfernen Trompeten im Prospekt waren klingend (Trp. 8' des Pedals).

Es ist richtig: In dieser Kirche steht nun vorne an prominenter Stelle eine große Orgel. Dass dies auch schon vor 1964 so war, hat seinen Grund. Denn wer den Kirchenraum kennt, weiß, dass seine kraftvollen Formensprache (z.B. der dominanten geschwungenen Emporen, die den Raum fast völlig umschließen) geradezu nach einem ebensolchen Gegengewicht verlangt. Die Rundungen und die Geschlossenheit des jetzigen Prospekts scheinen mir vor diesem Hintergrund adäquater zu sein als der doch etwas kantige Schmid-Prospekt mit seinen leicht spitzen Winkeln. Ob ein zierlicherer Entwurf diesem Raum wirklich gerecht würde?

Die angesprochene Schalmei entstammt einem sehr frühen Entwurf der Disposition. Klangvorstellung in etwa vergleichbar mit deutscher Oboe, aber etwas obertonreicher. Wir haben uns dann später - als die genaue Klangvorstellung der einzelnen Register konkret wurde - doch für die kleinere Schwester des Cromorne, die franz. Clarinette entschieden. Als Soloregister ist sie auf dieser CD leider nicht zu hören, obwohl sie in der Walther-Partita sicher auch eine gute Wahl gewesen wäre. Zwei andere Zungenregister sind aber solistisch vertreten: Die voix humaine bei Karg-Elert, die Hautbois im Mittelteil des pièce heroïque. Und das famose Fagott des SW (deutsche Kehlen, volle Länge) hört man als 16' + 8' im Pedal der Bach-Fuge.

Zur Intonation: Die Orgel ist die letzte von Andreas Saage & Team intonierte Seifert-Orgel. Gerade an diesem Instrument lag ihm sehr viel. Das kann man hören. Welches Glück! Wie mögen wohl die späteren Seifert-Orgeln klingen?

Viele Grüße

T.Mayr


gesamter Thread:

 

powered by my little forum