Seifert-Orgel in Kaufbeuren

T.Mayr, Mittwoch, 01. Januar 2014, 18:28 (vor 4622 Tagen) @ jrbecker

Liebe Forianer

Das sw-Bild auf orgbase.nl ist der Urzustand. Grau mit leichter Marmorierung in dezenter Ockerschattierung.

Der Prospekt hatte architektonisch tatsächlich etwas für sich, wenn man ihn isoliert betrachtet.

Mir ist allerdings hier vor Ort bisher niemand begegnet, auch nicht unter den erklärten Schmid-Fans - der sich zu der Aussage durchringen konnte, dass die Schmid-Orgel gut mit den Kirchenraum harmoniert hätte. Dass man eine nachträgliche Änderung für nötig hielt, sollte nachdenklich stimmen.

Von einem blau-türkisen Gehäuse ist mir nichts bekannt, es gibt im Kirchenarchiv dazu keine Nachweise. Meinte der Autor im Forum vielleicht eine andere Orgel? Das Rückpositiv hatte aber eine blaue Mittelpfeife.

Ich selbst war durchaus ein Fan der klanglichen Seite der Schmid-Orgel.
Technisch allerdings keineswegs. 57 Register und 5 Manualwerke in ein ursprünglich für 35 Register konzipiertes Gehäuse zu packen kann nicht ohne konzeptionelle Kompromisse und improvisierte Konstruktionslösungen abgehen. Wer über 9 Jahre hinweg (1999-2008) um eine seriöse Renovierungslösung eines technisch derart hochproblematischen Instruments ringt, darf da mitreden. Nach der Inspektion des Orgelinneren hatte sogar der in Bayern überaus restriktive Denkmalschutz von einer Erhaltensforderung Abstand genommen.

Dass der neue Prospekt eines umstrittenen Orgelprojekts nicht ungeteilte Zustimmung finden kann, überrascht nicht. Es ist ja durchaus zu begrüßen, das die Orgeln der 60er/70er wieder eine größere Wertschätzung erfahren. Das sollte man aber nicht pauschal zur Religion machen - es schadet nicht, auch hier unvoreingenommen und kritisch zu bleiben. Eine solide Orgeltechnik und guter Klang braucht Platz, das wußten die alten Orgelbauer. Und in der Seitenansicht etwa wirkte selbst die relativ schlanke Schmid-Orgel als Ungetüm. Anbei zwei Aufnahmen, die einen Eindruck von der Wirkung im Kirchenraum vermitteln. Der Schmid Prospekt war breiter, pausbäckiger, aber natürlich weniger tief. Der jetzige Entwurf lehnt sich - gemäß der Rahmenbedingungen des Denkmalschutzes - an die Ausmaße der früheren grandiosen Steinmeyer-Orgel an, die noch deutlich tiefer war, aber kein Rückpositiv hatte. Niemand wäre es bei dieser auf die Idee gekommen, von einem mächtigen Würfel zu sprechen.

Orgeln werden jedoch nicht zum Vergleich mit den Vorgängerinstrumenten gebaut, sie müssen unabhängig davon überzeugen. Direkt vor Ort trifft der jetzt realisierte Prospekt in der überwiegenden Mehrheit auf großen Zuspruch, egal ob bei auswärtigen Kirchenbesuchern, Gemeindegliedern, Fachleuten oder sogar bei ehemaligen Projektgegnern. Was aber natürlich nichts heißen muss - de gustibus non est disputandum.

Vom Klang mag man sich am besten selbst vor Ort überzeugen, jeder ist herzlich willkommen. Aber auch die CD vermittelt einen sehr realitätsnahen Eindruck.

Viele Grüße
vom Organisten dieser Orgel

Traugott Mayr

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