Gasteig-Orgel

Friedrich @, Sonntag, 16. Februar 2014, 21:09 (vor 4577 Tagen) @ zehnzweidrittel
bearbeitet von Friedrich, Sonntag, 16. Februar 2014, 21:18

Die Orgel im Bamberger Saal habe ich live hören dürfen, leider ohne Orchester, da fehlt mir also der Vergleich. Begeistert hat mich das Instrument aber nicht besonders.


Ich habe gerade mal wieder in die damalige Aufnahme der Mahler 8 anlässlich der Einweihung der Konzert- und Kongresshalle Bamberg hineingehört. Wie schon damals beeindruckt mich dieses Instrument sehr … Durch einen glücklichen Zufall konnte ich vor ein paar Jahren so ca. 20 Min. das Instrument ausprobieren - für mich ein Genuss. Aber alles Geschmackssache!

Obwohl ich schon häufiger in der Frankfurter Alten Oper habe, konnte ich dort noch nie die Orgel hören, davon habe ich nur eine CD, was natürlich nichts aussagt. Sie könnte aber laut genug sein.


Also Ende der 80er war sie das nicht unbedingt. Ich stand mit ca. 150 (?) weiteren Choristen vor der Orgel, allerdings direkt vor dem gut besetzten Schlagwerk. Die Orgel war - das konnte man an den Manubrien sehen - voll aufregistriert, und trotzdem habe ich am Schluss kaum mehr etwas von ihr gehört. Und das nach nur ein paar Metern Entfernung. Das Instrument wurde 2010 überarbeitet.

Das ist interessant, denn beide Orgeln kommen sozusagen aus einem Stall. Jann war eine zeitlang Schuke-Intonateur, bevor er seine eigenen Werkstatt aufmachte. Sowohl Schuke- als auch Jann-Orgeln habe ich immer als stark am Prinzipalchor orientiert erlebt. Das finde ich in Kirchen sehr schön, im Konzertsaal aber problematisch – schon deswegen, weil ein Chor aus Prinzipalen, Oktaven und Quinten allein normalerweise nicht mit einem Orchester mithalten kann, ja nicht einmal mit einem Blechbläserquartett. Dazu kommt, dass er idealerweise stabil und geradlinig klingt, was aber im Zusammenspiel mit Orchester und Chor in trockener Akustik starr wirken kann. Ich habe zwei Aufnahmen aus Bamberg mit Orgelkonzerten (Genzmer und Eben Nr. 2), und in beiden fällt mir auf, das das Aufregistrieren mit Prinzipalen 8-4-2 eigentlich immer nüchtern und steif wirkt, selbst wenn viele Grundstimmen andicken. Auf einer Solo-Platte wie die mit Höller-Orgelwerken mit Krapp wirkt die Orgel dagegen sehr gut, ausgewogen und herrlich kraftvoll und zugleich transparent in den Prinzipalchören.

Ich glaube immer mehr, dass Konzertsaalorgeln grundsätzlich einen andern Klangaufbau fordern als Kirchenorgeln. Nimmt man den Gedanken vom stiltreuen Instrument ernst, dann haben mechanisch traktierte Werkorgeln mit traditionellen Prinzipalchören und unterstützenden Zungen- und Flötenchören in Konzertsälen eigentlich nichts zu suchen. Natürlich sind sie der Sololiteratur wegen wünschenswert. Also muss man entweder Schwerpunkte setzen – orchestrale Grundstimmenorgel mit großer Dynamik und Mixturen als Farbwerten oder »Orgelliteratur-Orgel« mit zusätzlichen, aber nicht dominanten Orchesterwerten – oder so originelle Lösungen finden wie Guillou-Steinmeyer-Kleuker-van den Heuvel in Zürich. Da sind alle Farben so ultra-aufgedreht, dass das Ensemble irgendwie wieder funktioniert. Das muss man aber erstmal bringen – ebenso wie den Mut, so scheinbar unvollständige Einzelwerke zu disponieren. Es gab da ja auch viel Ärger drumherum.

Vor dem Hintergrund frage ich mich, ob Jann im Rahmen seines Stils eine bessere Orgel hätte anbieten können – ich vermute mal, nein. Die ist sicher sehr gut, auch dank der üppigen Aliquotenbesetzung. Aber es ist eben eine klassische Orgel. Die Alternative ist ja nicht unbedingt ein Klon der Woolsey-Hall-Orgel von Skinner mit ihren astronomischen Winddrücken und zahllosen Schwellkästen. Aber die Prioritäten sind eben Flexibilität, extreme Dynamik, Wucht und Durchschlagskraft. Das kann man sicher schon ab 40-50 Registern haben, aber so eine Disposition sähe dann sehr viel anders aus als die in Frankfurt, Leipzig, Bamberg, Köln usw.

Gruß,
Friedrich


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