Bach in Hamburg

Karsten @, Montag, 02. Mai 2016, 15:54 (vor 3770 Tagen) @ untersatz32

Naja, immerhin haben sie ihm posthum in Katharinen eine (herrliche!) Bach-Orgel verpasst...
Zumal sie ihn in Jacobi aus Gründen mangelnder Talerzahlungsbereitschaft nicht nahmen.

Naja, Philipp Tonner hat 2001 ("Bachs Bewerbung in Hamburg - Eine Frage des Geldes?") die Bewerbung nochmals aufgerollt und anhand der wenigen Quellen analysiert. Dass der übliche Ämterkauf der Grund für die Rücknahme der Bewerbung ist nicht auszuschließen, aber auch nicht bewiesen. Es sprechen auch Indizien dagegen.

Nach Tonners Ergebnissen war Bach sogar der Wunschkandidat des Rates unter den Bewerbern. Und der Rat kam Bach scheinbar sogar so weit entgegen, dass ihm ein Vorspiel außerhalb der offiziellen Probespieltermine in Aussicht gestellt wurde und wahrscheinlich sogar der Ämterkauf erlassen worden wäre. Erst als Bach definitiv absagte, wurde eben Heitmann gewählt.
Warum Bach letztlich absagte, ist Spekulation. Tonner vermutet die Gründe in der Stelle selbst und dem musikalischen Umfeld Hamburgs:
Bach war bei der (voreiligen?) Bewerbung für St. Jacobi vielleicht ein wenig "geblendet" von den Sonderstellungen, die Buxtehude und Reincken in den Hansestädten innehatten. Als Bach dann realisierte, dass die Stellung in St. Jacobi letztlich mehr Schreibarbeit als Tastenarbeit umfasste und nicht so gut bezahlt war, zog er - trotz großer Orgel und fantastischem kulturellem Umfeld - die Bewerbung zurück.
Die tollen Wirkungsmöglichkeiten und Position der hanseatischen Kirchenmusiker, die er aus seiner Jugend kannte, waren nach und nach eingeschränkt worden. Telemann und der Carl Philip Emanuel Bach reüssierten in Hamburg ja vor allem im Weltlichen Musikbereich.

Gruß
Karsten


gesamter Thread:

 

powered by my little forum