Stadtkirche Celle

abstrakte @, Dienstag, 16. August 2016, 01:23 (vor 3684 Tagen) @ Poupoulcorouse

Ich habe zusätzlich nochmal ein paar andere Beiträge Eberleins zur Stimmungsfrage durchgelesen. Warum muss in diesem Metier eigentlich jeder seine Hypothesen als "Ergebnis" verhökern, obwohl die Quellenlage eben nicht mehr hergibt, als weitere Hypothesen? Damit schadet man der Wissenschaft allgemein. Und man untergräbt den Anspruch, verschiedene Hypothesen einem Plausibilitätswettbewerb auszusetzen, so wie es sich für seriöse Wissenschaftler eigentlich gehört.

Ich habe in der Vergangenheit sicherlich auch mit gesundem Eifer mit Hypothesen um mich geworfen. Aber ich habe ja auch irgendwann begriffen, daß auch die schönsten Hypothesen erstmal nur Hypothesen sind. Und ich bin schließlich 32-jähriger Theologe und kein arrivierter Musikwissenschaftler. Gerade als Theologe musste ich nur allzu schnell lernen, daß man mit Hypothesen sehr demütigig umzugehen hat.

Warum fällt das im Orgelfach vielen so schwer?

Etwas provokante Antwort: weil sich dort nicht allzu viele Wissenschaftler tummeln.

Jetzt die etwas nüchterne Betrachtung, die vielleicht auch ein bißchen generalisiert:
reine Musiker, die nicht Musikwissenschaft studiert haben, sind nicht zwingend wissenschaftlich ausgebildet. Bei der Instrumentalausbildung - und dazu zähle ich auch das Kirchenmusikstudium - geht es hauptsächlich darum, das musikalische Handwerk zu erlernen. Dazu zählt nicht der Umgang mit Hypothesen und historischen Quellen. Und wie Du selbst schreibst, braucht es wenig Zeit, die nötige Demut im Umgang mit Hypothesen und Theorien zu entwickeln. Derartige Forschung wird eben von der Musikwissenschaft betrieben. Dazu kommt weiterhin, dass sich auch viele Orgelbauer gerade zum historischen Orgelbau äußern. Aber auch da gehört das wissenschaftliche Arbeiten mit historischen Quellen nicht zur Ausbildung.
Vor diesem Hintergrund sind wissenschaftliche Arbeiten wie die des OrganArt-Center in Göteborg von großer Wichtigkeit, weil derartige Projekte eben genau diese wissenschaftliche Arbeit leisten können. Und zu derartiger Arbeit gehört vielleicht auch die Erkenntnis, dass die Lagerung von Eichenholz in Wasser vielleicht notwendig sein kann, um dauerhafte Orgeln damit bauen zu können. Mag sein.
Und ansonsten würde ich der von Dir angesprochenen Äußerungen cum grano salis nehmen - mitunter kann man zwischen den Zeilen doch manchmal eine Erkenntnis draus ziehen.

Grüße,
Abstrakte


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