St. Marien Lübeck: Gehäuseideen? - Bild-Material

Friedrich @, Samstag, 19. April 2014, 03:58 (vor 4576 Tagen) @ Karl-Bernhardin Kropf

Was mir noch wichtig war: Das Hauptwerk hat die Pedalladen und den Emporenboden als Schalldeckel, die verhindern, dass der größte Klang erstmal Richtung Gewölbe entflattert. Das Positiv soll ebenso von der HW-C-Lade profitieren.

Viele Grüße,
Friedrich


Klingt erst mal gut, doch die Praxis in SMRO (St. Marien Rostock, nur 7 meter niedriger und Dir wohlbekannt..) zeigt, dass die beste Abstrahlung das winddruckschwächste Werk hat, nämlich das Kronwerk direkt unter dem Gewölbe.
…
Zeitzeugen des Vorkriegszustandes berichteten, dass auch lediglich von den Musikemporen der Text einer Vokaldarbietung verständlich war, vielleicht auch wegen der guten Streuung/Verteilung so relativ nahe am Gewölbe.

Dass bei der Kemperin trotz der Hochlagerung nicht viel kommt, mag am oben geschlossenen Gehäuse dienen (wer Jakobi Hamburg kennt, weiß Bescheid, was Schnitger schon im 17. Jhdt. an die Decke geballert bzw. über die Bande gespielt hat …), oder schlicht und einfach am Instrument, das vielleicht aus der Nähe auch nach nichts klingt.

Ich mahnte schon das Thema Artikulation etc. an. Eine vom Hörer ferner (höher) aufgestellte Orgel, mag sie auch klanglich gut abstrahlen, hat einen höheren Hallanteil in der Darbietung, was in St. Marien Lübeck schnell des Guten zu viel werden kann.


Ich werde den Gedanken an die hochgelobte Schulzin einfach nicht los, die auch größtenteils auf halber Höhe in einem Gehäuse stand, das ca. zwei Meter tief war. Das der Kemperin ist, wie es aussieht, tiefer. Auch fällt mir Saint-Ouen ein, wo die Orgel gleichfalls auf halber Höhe hängt, wiederum in einem imposanten, aber eigentlich nicht sehr tiefen Gehäuse.

In »Deiner« Orgel kommen mir manche Laden geradezu begraben vor, was sicher auch an der großzügigen (und architektonisch herrlichen) Schweifung der Profile liegt. Wenn die Laden gleich hinter dem Prospekt stehen, könnte es doch etwas besser klappen.

Aber mit den Reflexionen hast Du sicher recht – die sind enorm wichtig. Bei der Kemperin vermute ich, dass die Pfeifen insgesamt eher mager mensuriert sind, vielleicht aus überzogener neubarocker Gesinnung und aus Furcht vor dem Hall des Raums heraus. Da bleibt einfach nicht genügend Charakter auf die große Distanz übrig. Nach allem, was man von Schulze weiß, müssen die komplett in die andere Richtung gebaut und intoniert haben – und dann alles hinter dem verstummten gotisch-neugotischen Prospekt vergraben, und trotzdem klang es offenbar noch großartig.

Vorschlag, nach Demontage der Kemperin:
Eine ferngesteuerte Kleinorgel …

… mit Bluetooth-Verbindung oder mechanischem Spielwerk …

wird an Drahtseile gehängt, diesmal aber mit Antrieb!
Und dann fährt man sie in alle möglichen Höhenlagen …

Sehr coole Idee!

Viele Grüße,
Friedrich


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