CD geerbt
Ich habe auch eine von ihm eingespielte CD - mit Bach-Werken an St. Sebald, Nürnberg. Ich werde sie nicht entsorgen. Entstanden sind diese Aufnahmen 12 Jahre vor dem tragischen Ereignis, auch die von Ihnen genannte CD entstand mehrere Jahre zuvor.
Im EG-Regionalteil Bayern/Thüringen findet sich ein Osterlied von ihm, das mir in Text und Melodie sehr gut gefällt. Entstanden 1980. Sollte man es nicht mehr singen, weil der Autor 28 Jahre später ein anderer wurde? Ich sehe das nicht so.
Nachdenkliche Grüße
Violonbass
Ich schließe mich der Meinung meines Vorredners an! An dieser Stelle finde ich es wichtig Künstler und Kunstwerk in der Bewertung zu trennen, auch wenn man die Tat selbst natürlich aufs Schärftste verurteilen muss und diese immer mit dem Menschen in Verbindung gebracht werden wird.
Fakt ist, Hans-Martin Rauch ist zweifelsfrei ein hervorragender Musiker und hat in den vergangenen 15 Jahren in der JVA München Kirchenmusik auf höchstem Niveau geboten (Hier zu hören an der Digitalorgel auf der Empore der JVA-Kirche mit Bachs a-Moll-Concerto). Zudem hatte er einen Gefangenenchor ins Leben gerufen.
Fakt ist aber auch, dass er für seine Tat nach geltendem deutschen Recht die adäquate Strafe erhalten und diese vollständig verbüßt hat. Somit ist er heute auch nach unserem Recht wieder ein rehabilitierter freier Mensch.
Der musikalische Wert der Aufnahmen ist in meinen Augen getrennt vom persönlichen Hintergrund des Interpreten zu bewerten. Ich würde die CD aber in keinem Fall entsorgen, sondern als Zeitdokument betrachten. Der Hintergrund des Interpreten kann dabei Anlass sein sich mit der inhärenten Spannung ganz bewusst auseinanderzusetzen, dass auch Menschen, die im Dienste der (musikalischen) Verkündigung stehen und standen, keine Heiligen sind und sich tiefste menschliche Abgründe in jeder gesellschaftlichen Schicht und in jedem Berufsstand auftun können.
Ich finde die Auseinandersetzung mit dem Thema auch und gerade deshab so spannend, weil ich nächste Woche Sonntag wieder genau dort spielen werde, wo Rauch jahrelang gespielt hat (das Fach in der Orgelbank der JVA quillt über vor Noten: Bachs Gesamtwerk in den Peters-Ausgaben, Guilmant-Sonaten, uvm. findet sich dort als Überbleibsel seines Wirkens).
Dort mit Menschen in Haft auf Augenhöhe Gottesdienst zu feiern ist eine wirklich sehr besondere und wichtige Erfahrung, die auch immer wieder Reflektionsprozesse in mir anstößt.
Am Ende bin ich aber doch sehr dankbar, dass ich nach den Gottesdiensten die JVA wieder verlassen darf.
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jori,
07.02.2026, 19:32
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Violonbass,
07.02.2026, 20:13
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Cmcmcm1,
30.03.2026, 16:03
- Hans-Martin Rauch † - Matthias, 30.03.2026, 17:53
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Violonbass,
07.02.2026, 20:13