CD geerbt

Friedrich @, Sonntag, 08. Februar 2026, 13:54 (vor 256 Tagen) @ Cmcmcm1

"Zum Glück gibt es die räumliche Distanz" (Funny van Dannen)

Zu ergänzen: die zeitliche.

Im Fall Wagner müssen wir uns nur zu seinem Werk verhalten und zum Glück nicht mehr zu seiner Person. Wenn mir jemand die bekannte hypothetische Frage stellte, mit welchem historischen Künstler ich gerne mal Kaffee trinken würde, wäre meine Antwort klar: mit keinem.

Das ist aber für meine Begriffe etwas ganz anderes als der Umgang mit einer persönlichen Leistung eines Zeitgenossen, der ein entsetzliches Verbrechen begangen hat. Natürlich würde ich beim blinden Anhören einer Aufnahme nicht heraushören, dass dieser Künstler später einen Mord begehen würde. Wenn ich es aber weiß, fällt es mir persönlich sehr schwer, das zu vergessen, und zwar unabhängig von der Qualität des Spiels. Ich würde mich dann eines Urteils enthalten.

Es gibt nicht viele Leute auf dieser Welt, denen ich nie wieder die Hand schütteln würde. Ein paar gibt es aber schon. Nicht aus Prinzip, sondern weil ich es einfach nicht könnte. Da wäre körperlicher Widerwille.

Insofern kann ich verstehen, wenn man dann eine CD wegwerfen möchte.


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