Lübeck, St. Marien - Neubau?

Friedrich @, Freitag, 11. April 2014, 07:36 (vor 4583 Tagen) @ Martin Kondziella
bearbeitet von Friedrich, Freitag, 11. April 2014, 07:41

Ich kenne die Orgel nicht im Raum klingend. Nach der einen Stender-DVD, die ich habe, finde ich sie gar nicht schlecht. Einsackende und korrodierende Prospektpfeifen sind kein Argument, sondern Anlass, die an hochbedeutenden alten Orgeln mit den gleichen Problemen gewonnenen Erkenntnisse auch hier umzusetzen.

Stenders Aufnahmen sind, soweit ich weiß, alle mit einer bestimmten, nahen Mikrophonierung gemacht, die die Orgel erheblich kräftiger wirken lässt, als sie im Raum tatsächlich klingt. Die erste Aufnahme, die ich kenne, die offensichtlich anders gemacht wurde, ist Johannes Ungers Querstand-CD. Das ist ein ganz anderer Schnack, da ist die Wirkung doch bedeutend blasser, jedenfalls was das Neobarocke angeht. Kein Kern, kein Strahl. Die Romantik dagegen schwiemelt schön, da hat das Kemper-Schwellwerk offenbar einiges zu bieten mit seinem 16'-Streicher, Holzgambe, Salicet usw. Auf der genannten DVD ist Stender ja auch fast ausschließlich auf dem zweiten und dritten Manual unterwegs, auf allen anderen sehr selten.

Neobarock in symphonischer Dimension, das ist etwas, was wir demnächst überhaupt nicht mehr haben, wenn wir nicht aufpassen.

Siehe oben. Neobarock in sinfonischen Dimensionen haben z. B. die hier schon genannten Leute von Marcussen geliefert, so in Linz, Rotterdam und in gewissem Sinn auch in Haarlem, oder auch Flentrop im Konzertbau De Doelen, ebenfalls in Rotterdam, oder in der Holy Name Cathedral Chicago; dann auch Beckerath in seinen großen Orgeln in Hamburg, Hildesheim, Nordamerika; dann haben wir da noch die vier- bis sechsmanualigen Schukes (West und Ost – auch die Gewandhausorgel ist im Kern neobarock) usw. Das sind richtig gute, originelle Orgeln mit brauchbaren Mensuren, gesunder Intonation und in dauerhafter Bauweise, die wird es noch lange geben. Da braucht niemand diese Marienorgel.

Nebenbei: Was ist das eigentlich für eine Denkart, zu meinen, was schlecht und unzumutbar wäre, sei für die im Osten immer noch gut? Das ärgert mich wirklich.

Ja, das ist merkwürdig. Allerdings: Wo kein Käufer, dort kein Händler. Wenn jemand das Zeug abnimmt – zu welchem Preis? –, dann hat der damit klarzukommen. Das Urteil »immer noch gut (genug)« ist also das des Käufers, nicht das des Anbieters. Da werden ja keine Glasperlen an unbedarfte Eingeborene verscheuert.

Viele Grüße,
Friedrich


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