Lübeck, St. Marien - Neubau?

Friedrich @, Dienstag, 15. April 2014, 17:56 (vor 4579 Tagen) @ MichaelS

Da hab ich jetzt eine doch etwas andere Meinung. Den das da gibt es schon.

Nur in der Hinsicht, dass es ähnliche Dispositionen und Konzepte schon gibt. Und das wäre mir egal. Wenn die Orgel gut klingt, ist sie gut.

Sich an Schulze zu orientieren? Hmmm - eine mechanische Kegellade mit Barker, so vermute ich mal. Wer ist denn in der Lage, das gut zu bauen? Und wie wird das dann? Rekonstruktion? geht das?

Nein, das ist ja gerade das Interessante. Die Schulzes haben mechanische Schleifladen mit pneumatischer Maschine gebaut. Sie haben einen sehr kräftigen Labialklang mit differenzierten Grund- und Zungenstimmen kombiniert, Quintmixturen mit Cornetten … In Lübeck haben sie auf Jimmerthals Wunsch auch die Trompeten differenziert, die Trompete im zweiten Manual war als kräftiges Soloregister ausgelegt. Usw. usf. Kurz: Eine spannende Sache. Und es muss ziemlich anders als Ladegast geklungen haben, der ja ähnlich elegante Grundstimmen wie Cavaillé-Coll intonierte. Schulze muss da kräftiger zugelangt haben.

Interessant fände ich, einmal eine wirklich romantische Orgel zu bauen. Also auch mal ohne die Alibi-aliquote und die Scharffmixtur auf 1´ irgendwo mit drin. Vielleicht auch ein mischmasch, bei der Vorgabe von rund hundert Registern kann da ja vieles hinein:
I. Manual das Hauptwerk wie bei Walcker oder Sauer (Weite Mensuren, tiefe Mixturen, ...)
II. Manual ein "Oberwerk" wie bei Walcker oder Sauer, ergänzt durch das, was Cavaillé-Coll als "Positiv" gedacht hat
III. Manual ein Symphonisches Récit, ergänzt durch Stimmen, die ein drittes Manual einer Walckerin braucht
IV. Bombardwerk als Ergänzung des I. in Richtung Frankreich
V. Manual Fern-, Echo- oder Farbwerk für das "i-Tüpfelchen"; Chamaden oder Tuben als "floating Division"
dazu ein Pedal mit den Labialen eines Sauer (mindestens zwei 32´, vier offene 16´, etc.) und den Zungen eines CC
vielleicht ein "Piano-Pedal" oder eine zweite Pedalklaviatur wie dereinst in Ulm und Stuttgart? …

1. »Denn das gibt es schon.« Trondheim, Stockholm …

2. Von den Pedal-Zweitklaviaturen ist Walcker selber schon wieder runtergekommen, das war offenbar nix. Schon unter ergonomischen Gesichtspunkten ist es ja Blödsinn – virtuoses Pedalspiel ist auf 45-Grad-Pedalen über einer normalen Klaviatur nicht möglich, und der schöne Platz für Registrier- und Schwelltritte ist verschenkt. Mal ein Bild von Stuttgart gesehen? Katastrophe!

3. Ich glaube, dass man in Lübeck Platzprobleme mit einer solchen Orgel bekommt. Eine große Kegelladenanlage mit romantischen Bassmensuren braucht sehr viel Tiefe, technischen Unterbau und Tragwerk. Die Schulze-Orgel hatte, wie gesagt, zwei Satellitengehäuse fürs Pedal. Es wäre schon eine extreme Entscheidung, wenn man so etwas in eine solche Kirche bauen wollte. Mechanische Schleifladenorgeln lassen sich so schön kompakt bauen.

Ach so übrigens: französisch-symphonisch ist keine Frage des Schalldrucks. Der Irrglaube ist erst in neuerer Zeit entstanden. Eine CC in St. Sulpice ist nicht im Ansatz so agressiv wie die heutigen "Widmungen" oder "Auswüchse"...

Schön, dass Du das sagst – mir ging es genauso! Von wegen laut. Klar, farbig, energisch, extrem gut ausbalanciert und raumbeherrschend – aber massiv laut? Keineswegs.

Den Lübeckern ist so ein neumodischer Terrorschrank auch nicht zu wünschen. Das betrifft aber nicht nur die Neufranzosen.

Viele Grüße,
Friedrich


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