US-Import, die Zweite
was heißt "bling"?
Ungefähr das.
Aber keine Orgel ohne Minus – keine Pedalmixtur … :-(
na ja, die disposition ist so konventionell im stil des englischen 19. jahrhunderts, wie es konventioneller gar nicht mehr geht. und GIBT es englische viktorianische orgeln mit pedalmixtur überhaupt? wir sind hier doch nicht bei arp schnitger.
*seufz* Hättich wohl doch ein ;-) setzen müssen – Pedalmixtur, das ist doch mein persönlicher Fetisch. William Hill fand sie übrigens auch zeitlebens gut.
Sooo konventionell im englischen Stil des 19. Jahrhunderts ist diese Orgel übrigens keineswegs. Ich finde sie viele eher typisch für eine mechanische Schleifladenorgel des späten 20. Jahrhunderts. Lynn Dobson schreibt hier selber sehr schön über seine Orgel.
Englisch an ihr ist
– der Aufbau mit Great, Swell und Choir;
– die Grundstimmenbesetzung, die allerdings auch auf andere Traditionen verweist – doppelte 8'-Prinzipale, Flöte und Rohrflöte (-gedeckt) baute z. B. auch Gonzales, und ein First Open von Dobson dürfte ein erheblich anderes Tier sein als einer von Willis oder Harrison & Harrison;
– die Besetzung des Swell – im Umriss, denn z. B. gibt es keine abgetrennte Zungenlade mit höherem Druck, und statt geschlossener Kehlen für runden englischen Zungenklang haben Dobsons Trompeten offene Parallelkehlen,
– die Zungenbesetzung von Choir und Swell – wiederum grob gesehen, denn beide passen ebenfalls in andere Traditionen, und das schwellbare Choir ist im englischen 19. Jahrhundert keineswegs so weit verbreitet gewesen, wie das heute gern unterstellt wird – bzw. gebaut;
– die Major Trumpet als Gegenregister zu den Plena von Great und Swell, die aber nach Dobsons Beschreibung keineswegs eine Tuba ist, sondern einfach eine lautere Trompete mit offenem Klang.
Komplett unenglisch, stattdessen modern-eklektisch ist aber viel mehr:
– der Werkaufbau mit allen Manualwerken und seitlichem Pedal in der Front, der von der
– grundsätzlich mechanisch geplanten Traktur bestimmt wird,
– dafür ein freistehendes, selbsttragendes Holzgehäuse mit dem
– eingebauten Spielschrank am technisch am besten geeigneten Platz,
– charakteristische Prinzipalchöre in allen Manualen, nicht nur in Great und Swell,
– überhaupt die Gewichtung des Choir als Gegenwerk zu Great und Swell mit prinzipalischer Sesquialtera II, ein Klang, der in viktorianischen Orgeln im Great und Swell zuhause ist,
– ein leichtes Hauptwerksplenum ohne Twelfth und offenen 16', gestützt (nicht dominiert) von einer einzigen Trompete 8',
– der zinnene Prospekt-16' mit enger Mensur als einziges offenes Register in dieser Funktion,
– das (trotz meines Maulens) selbstständige Pedalwerk ohne Extensionen und Transmissionen, dagegen mit klarer Prinzipallinie 16-8-4,
– ein durchgeführter Weitchor im Hauptwerk inklusive Nasat und Terz: Das kommt im gesamten englischen 19. Jahrhundert überhaupt nicht vor, der Cornet décomposé kam erst mit der Neoklassik in England wieder auf, und dann meistens als sehr dezente Zusatzlade zum Choir; hier soll er offenbar Duopartner zu Sesquialter und Bassetthorn im Choir sein, eine Idee, auf die kein Orgelbauer im 19. Jahrhundert je gekommen wäre (“Triosonaten? Ich erbitte Ihre Verzeihung?”);
– eine nette amerikanische Dreingabe wie die Nason Flute 4' (Quintade aus Holz mit gebohrten Spundgriffen) auf einem Platz, der in den meisten englischen Dispositionen dieser Größenordnung einfach leer geblieben wäre.
– Es gibt keinen labialen 32', nicht einmal eine Quinte 10 2/3'. Das würde kein traditionell horchender Engländer als viktorianisch-romantisch akzeptieren, ganz zu schweigen von fast allen Amerikanern, die notfalls bedenkenlos Digitalregister einbauen (dem Feldwaldwiesenorganisten dort ist der 32' das, was das SUV dem Suburb-Bewohner ist – braucht keiner, ist aber geiler).
Der Klang von Dobsons Orgeln würde vielen von uns vertraut vorkommen, denn er ähnelt sehr dem, den die guten Orgelbauer hierzulande in den letzten 30 bis 40 Jahren kultiviert haben. Der Prinzipalchor hat die Führungsrolle, alle Register sprechen mit deutlicher, aber kultivierter Artikulation an, die Flöten klingen rund und hell, das Pedal deutlich und linienstark, aber nicht sehr schwer. Das ist Lichtjahre von Willis entfernt und verdankt wahrscheinlich Beckerath immer noch mehr als z. B. Hill oder auch Walker.
Über diesen Orgelbaupartner dürfte Paul Hale, der Sachverständige, hocherfreut gewesen sein.
Viele Grüße,
Friedrich
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- US-Import, die Zweite -
Friedrich,
07.12.2013, 21:01
- US-Import, die Zweite - tiratutti, 07.12.2013, 21:41
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untersatz32,
07.12.2013, 22:01
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Wolfgang Gourgé,
07.12.2013, 22:32
- US-Import, die Zweite - untersatz32, 08.12.2013, 09:52
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Wolfgang Gourgé,
07.12.2013, 22:32
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ado,
08.12.2013, 16:46
- US-Import, die Zweite - untersatz32, 08.12.2013, 17:48
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Friedrich,
08.12.2013, 22:53
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Martin Kondziella,
09.12.2013, 00:00
- US-Import, die Zweite - Friedrich, 09.12.2013, 00:46
- Dobson, war: US-Import, die Zweite -
Contrebasson 32',
09.12.2013, 01:09
- Dobson, war: US-Import, die Zweite -
MAT,
09.12.2013, 10:56
- Dobson, war: US-Import, die Zweite -
ado,
09.12.2013, 18:06
- Dobson, war: US-Import, die Zweite -
Friedrich,
09.12.2013, 20:21
- Dobson, war: US-Import, die Zweite -
dhm,
01.01.2014, 19:44
- Dobson, war: US-Import, die Zweite - Friedrich, 01.01.2014, 20:14
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dhm,
01.01.2014, 19:44
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Friedrich,
09.12.2013, 20:21
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ado,
09.12.2013, 18:06
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Friedrich,
09.12.2013, 19:11
- Dobson, war: US-Import, die Zweite - ado, 10.12.2013, 08:15
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MAT,
09.12.2013, 10:56
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Martin Kondziella,
09.12.2013, 00:00
- US-Import, die Zweite - Contrebasson 32', 23.03.2014, 21:22