Dobson, war: US-Import, die Zweite

ado ⌂ @, Dienstag, 10. Dezember 2013, 08:15 (vor 4645 Tagen) @ Friedrich

die erbauer stellen ihre neue orgel in merton college in diesem artikel vor. hier heißt es ausdrücklich, die spieltraktur sei "entirely mechanical" -- freilich bewahre ich mir nach lektüre des oben verlinkten aufsatzes von colin pykett ein gewisses mißtrauen.

die orgel steht auch gar nicht, wie ich annahm, vor einem der querarme, sondern, ebenso wie das vorgängerinstrument, vor dem westfenster, das sich dort befindet, wo das ursprünglich wohl geplante, aber nie gebaute langhaus angeschlossen hätte, so daß sich der später für oxforder college-kapellen typisch gewordene T-förmige grundriß ergibt. die neue orgel verdeckt dieses westfenster praktisch komplett, im unterschied zum vorgängerinstrument -- die alte situation sieht man gut hier.

ich gebe sofort zu, daß ich auch nicht leicht zu sagen wüßte, wo man in diesem raum eine größere orgel sonst hinstellen sollte. trotzdem habe ich bei diesem standort vor dem westfenster ein unbehagliches gefühl. die orgel wird ausdrücklich beschrieben als vorrangig zur begleitung des chorgesangs gedacht und in zweiter linie erst für literaturspiel. vom chor ist das instrument allerdings durch das querhaus getrennt, so daß sich sein klang doch sicherlich zu einem beträchtlichen teil seitlich verliert. und die kommunikation zwischen organist und chorleiter erfolgt über monitore und ein spezielles audiosystem! die in oxford in dieser baulichen situation andernorts gewählte lösung ist die, die orgel auf den lettner zu stellen, der chor und querhaus trennt, wie in magdalen college und new college (beide mit orgel aus jüngerer zeit, die orgel dort stand aber schon immer auf dem lettner).

auch die kapelle von merton college hatte in vorreformatorischer zeit offenbar einen steinernen lettner, der sicherlich standort der 1484 errichteten ersten orgel war. aktuell gibt es aber nur einen hölzernen "screen" zur abtrennung des chors. dummerweise wurde dieser 1671 von christopher wren entworfen, was es schwierig machen dürfte, ihn gegen etwas solideres auszutauschen. immerhin hätte man die (oder eine -- etwas weniger wuchtige) orgel vielleicht auf stelzen darüber stellen können?

das wäre doch vermutlich akustisch wie auch klimatisch besser gewesen. schließlich wird doch vor der aufstellung von orgeln vor westfenstern immer gewarnt.

die orgelbauer haben die rückwand der orgel mit einer anderthalb zoll dicken faserplatte versehen, um sie vor zug und sonneneinstrahlung zu schützen. ob das reicht?

sie verweisen darauf, daß die form des gehäuses -- an den seiten höher als in der mitte -- einen teil des fensters sichtbar lasse. hm. und daß man vom "laufgang des schwellwerks" (the swell walkway) einen besseren blick auf das mittelalterliche glas habe als jemals vorher...

"It is always our goal to build instruments for the ages." so soll es sein! aber allein schon die viele elektronik auch in dieser orgel läßt mich da zweifeln -- "holistisch" in pyketts sinne ist das nicht wirklich.


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