Orgelsachverständige

Wolfgang Gourgé @, Donnerstag, 02. Januar 2014, 19:27 (vor 4619 Tagen) @ bluenote
bearbeitet von Wolfgang Gourgé, Freitag, 03. Januar 2014, 01:25

Dank Henny Jahn wissen wir ja, was von Orgelsachverständigen zu halten ist.

:-)

....ach Gott. Abgesehen davon, daß der Link "tot" ist (jedenfalls bei mir funktioniert's nicht): wollen wir mal alle diejenigen erfolgreichen Projekte der letzten 25 Jahre aufzählen, die von Orgelsachverständigen begleitet wurden und auch deren "Handschrift" tragen? Ich glaube, da kommen insgesamt sehr viel mehr positive Ergebnisse heraus als negative (die es natürlich auch gibt, keine Frage), sei es bei Restaurierungen, sei es bei Neubauten.

Und Henny Jahn(n)/Walentowicz macht in ihrem blinden Eifer leider auch massive sachliche Fehler, soweit ich mich an diesen für sich selbst sprechenden Clip noch erinnere. So übersieht sie bei ihrem abwegigen Vergleich von vereidigten gerichtlichen Sachverständigen mit den kirchlichen bzw. denkmalbehördlichen OSVs, daß die gerichtlichen Orgelsachverständigen a) immer nur gerufen werden, wenn der kirchliche OSV "njet" gesagt oder schwere Mängel festgestellt hat, denn sonst kommt's nicht zum Prozeß, b) der gerichtliche Sachverständige schon deshalb nicht den kirchlichen/sonstigen Sachverständigen ersetzen kann, weil er keine Aussagen zu Stil, Disposition und Intonation trifft (zu letzterer nur ganz eingeschränkt hinsichtlich objektivierbarer Mängel), da diese Gesichtspunkte nicht justiziabel sind. Diese Punkte machen aber gerade den wesentlichen Tätigkeitsinhalt der kirchlichen/denkmalbehördlichen OSVs aus, wenn die Orgelplanungen erst beginnen. Ich könnte noch mehr einwenden, will es aber dabei belassen. Die Vergleiche von Frau Jahnn muten so an, als wenn man Architekten für überflüssig erklärt, weil es ja Statiker und Bauingenieure gibt. Nur sind die halt nicht für die künstlerische Seite des Bauens zuständig, sondern nur für die technische Umsetzung und ggf. Umplanung schon vorhandener Entwürfe.

Schließlich übersieht sie, daß sie Ihrem eigenen großen Vorbild Hans Henny Jahnn damit ein schlechtes Zeugnis ausstellt. Denn Jahnn war auch "nur" ein (autodidaktischer) Orgelsachverständiger. Den Umgang mit Holz beherrschte er als Sohn eines Schiffbauers zwar wegen seiner Kindheit auf einer Hamburger Werft. Das war es aber auch schon, mal abgesehen von einer Versuchswindlade und ein paar Einzelpfeifen in seiner "Werkstatt". *Eigene* Orgeln mit *eigenen* Händen hat auch er nicht gebaut bzw. restauriert, das tat er zusammen mit den Sauers aus Frankfurt/Oder (St. Pauli-Kirche), Furtwängler & Hammer (HH-Langenhorn, St. Ansgar) oder Karl Kemper (Lichtwarkschule), übrigens in Altenbruch und Neuenfelde in den 1920ern mit bemerkens- und lobenswertem Resultat (im Vergleich zu dem grausamen Pfusch von Hoppe/Furtwängler & Hammer in Otterndorf), da er behutsam mit der alten Substanz umging und deren Wert erkannte. Das ändert nichts an seinen Phantasie-Ansichten über den angeblich niedrigen Winddruck barocker Orgeln, seiner verblendeten pauschalen Ablehnung der Orgelbauästhetik des 19. Jahrhunderts oder der amüsanten Fata morgana des "Italienischen Prinzipals", der fortan in vielen orgelbewegten Instrumenten auftauchte (und unter seiner Ägide in die Schnitgerin in St. Jacobi in Hamburg sogar extra nachträglich eingebaut wurde, wenn ich das richtig erinnere).

Henny Jahnn/Walentowicz ist ja nicht gehindert, an den gemeinsamen Tagungen der Orgelbauer mit den Orgelsachverständigen teilnzunehmen (bei denen es übrigens auch welche mit Orgelbauer-Hintergrund gibt). In Karlsruhe 2012 tauchte sie nicht auf, in Speyer 2008 meines Wissens auch nicht, und ob sie dieses Jahr in Köln teilnimmt, ist wohl auch eher unwahrscheinlich; sie würde schnell merken, daß sie ein schwarz-weißes Zerrbild beschreibt, und dabei bleibt es auch, wenn man diesen unseligen Clip immer wieder verlinkt.

Gruß,
Wolfgang


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