Orgelsachverständige

Florgel @, Freitag, 03. Januar 2014, 15:48 (vor 4618 Tagen) @ Wolfgang Gourgé

So übersieht sie bei ihrem abwegigen Vergleich von vereidigten gerichtlichen Sachverständigen mit den kirchlichen bzw. denkmalbehördlichen OSVs, daß die gerichtlichen Orgelsachverständigen a) immer nur gerufen werden, wenn der kirchliche OSV "njet" gesagt oder schwere Mängel festgestellt hat, denn sonst kommt's nicht zum Prozeß, b) der gerichtliche Sachverständige schon deshalb nicht den kirchlichen/sonstigen Sachverständigen ersetzen kann, weil er keine Aussagen zu Stil, Disposition und Intonation trifft (zu letzterer nur ganz eingeschränkt hinsichtlich objektivierbarer Mängel), da diese Gesichtspunkte nicht justiziabel sind. Diese Punkte machen aber gerade den wesentlichen Tätigkeitsinhalt der kirchlichen/denkmalbehördlichen OSVs aus, wenn die Orgelplanungen erst beginnen. Ich könnte noch mehr einwenden, will es aber dabei belassen. Die Vergleiche von Frau Jahnn muten so an, als wenn man Architekten für überflüssig erklärt, weil es ja Statiker und Bauingenieure gibt. Nur sind die halt nicht für die künstlerische Seite des Bauens zuständig, sondern nur für die technische Umsetzung und ggf. Umplanung schon vorhandener Entwürfe.

Ich teile die Meinung der Vorredner zu diesem Youtube-Video.
Hier möchte ich aber trotzdem gerne mal einhaken und ganz provokant fragen:

Braucht es eigentlich überhaupt einen kirchlichen Orgelsachverständigen (also von außerhalb der betreffenden Gemeinde)?
Aussagen zu Stil, Disposition und Intonation werden als Aufgaben genannt. Aber ist das nicht eher das Feld des Orgelbauers? Zumal es sich ja nicht von der Technik trennen lässt. Ein "deutsch-hochromantischer" Klang auf Schleifladen? Eine Schnitger-Klang auf Kegelladen?


Den Vergleich OSV=Architekt, OB=Statiker, Bauingenieur finde ich aber nicht passend. Ich würde den Orgelbauern die Fähigkeit für die "künstlerische Seite" des Bauens nicht absprechen.

Wie hat das eigentlich vor dem Aufkommen der OSV´s funktioniert? Waren die Ergebnisse so viel schlechter? -zB. im Bistum Regensburg vor Kraus, oder auch Düchtel.

Was ist der Mehrgewinn für die Gemeinde durch einen OSV? Reicht es nicht aus, wenn die Leute vor Ort sich auf einen Orgelbauer, bzw. dessen Konzept einigen? Wird hier nicht etwas "elitarisiert", was am Ende eher Gefühlssache ist?

Was mich auch noch interessieren würde: Welche Handlungsmöglichkeiten hat eigentlich ein OSV? -Und wer kontrolliert eigentlich einen OSV, bzw. prüft dessen Kenntnisse ab?


Schöne Grüße,
Florian


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