Orgelsachverständige

Friedrich @, Freitag, 03. Januar 2014, 23:20 (vor 4620 Tagen) @ orgelwilli

Ich bin sehr froh darüber, daß beim Bau unserer Orgel kein Sachverständiger reingeredet hat und ich alleine mit dem Orgelbauer planen und "bauen" konnte.

Kann man in Deinem Fall nicht sagen, dass Du selber sachverständig warst? Du hast in Zusammenarbeit mit dem Orgelbauer das Projekt in Deinem Sinn entwickelt und gelenkt, mit einem klaren künstlerischen Konzept im Hinterkopf, das dann schließlich auch auf der Empore Wirklichkeit wurde. Das ist natürlich ein großer Glücksfall für alle Beteiligten. Aber es gibt ja Situationen, in denen keiner in der Lage wäre, ein solches Konzept in solcher Tiefe zu entwickeln, zu vermitteln und zu überwachen.

Haig Mardirosian hat in einem Vortrag über die Rolle des Sachverständigen erzählt, er sei mal in eine Gemeinde gekommen, deren Organist ihm ein Projekt für eine dreimanualige Orgel vorgelegt hätte; für das Choir-Manual hätte der sich lediglich eine Clarinet und eine Flute celeste gewünscht. Das kann eben auch passieren.

Im selben Vortrag berichtete er allerdings auch, dass er einmal eine Orgel nicht zur Abnahme empfohlen hätte, weil der Orgelbauer seine Spezifikationen für einen Choralbass (ich glaube, +3 oder 4 HT, Labium 1/4, Aufschnitt 1/4 Labiumbreite) nicht eingehalten und stattdessen seinen Stiefel gebaut hätte, eine Art weiten Offenbass in derselben Mensur wie der offene 8'. Darüber haben die anwesenden Orgelbauer dann die Köpfe geschüttelt, wohl mit dem Hintergedanken, dass “blend” (Klangverschmelzung) vor “fancy stop” (Extrawurst) geht.

So setzt er sich zwischen die Stühle – aber ich bin auch der Meinung, dass da manchmal einfach jemand sitzen muss, damit was draus wird.

Gruß,
Friedrich


gesamter Thread:

 

powered by my little forum