moderne Spieltische - war: Touchscreens ade, zurück zu Hebeln und Schaltern...

Orlos @, Dienstag, 13. August 2019, 01:34 (vor 2577 Tagen) @ Nachthorn

Kannst Du davon mehr berichten? Welche Features werden positiv bewertet? Auf was kann/soll man verzichten?

Das Spannende dabei ist, dass das ganz unterschiedlich gesehen wird: Der eine Kollege findet es ganz toll, dass man Setzerkombinationsgruppen Namen geben kann, also einem Stück zuordnen kann, ein anderes hat das noch nie benutzt. Wobei: Wenn ich recht nachdenke, hat es bis auf einen KEINER benutzt.
Thema Walze: Obwohl mehrere neue Spieltische eine solche aufweisen, würden viele befragte Kollegen einen Crescendo-Tritt bevorzugen. Falls mehrere elektrische Schwelltritte vorhanden sind, ist ein Generalschwelltritt eine schöne Sache.
Viele Spieltische haben nur ganz wenige Pistons, oft nur für den Sequenzer. Ich persönlich freue mich, wenn auch Koppeln per Fußtritt schaltbar sind, viele Kollegen halten das für überflüssig.
Anordnung der Pistons: Manchmal ist der Schwelltritt (je nach Stellung) im Weg, wenn man auf den Sequenz-Piston treten möchte.
Schwelltritte können zu tief liegen, dann drückt der Absatz des Schuhs eine Taste beim Schließen des Schwellwerks. Oder sie liegen zu hoch, dann muss man das Knie zur Seite schieben, um ihn zu betätigen.
Radialpedal: In USA absolut üblich, in Deutschland immer noch selten anzutreffen. So auch bei meinen Besuchen bei neuesten großen Spieltischen, selbst in Kathedralen. Ich bin hin- und hergerissen: Ich mag die geschweiften Tasten, aber alle Dienstorgeln haben nur Parallelpedal. Würde ich jetzt einen Spieltisch anders bauen lassen, müsste ich mich ständig umgewöhnen. Auch die Gastorganisten würden Radialpedal eher nicht gewohnt sein.
Sequenzer als Leiste zwischen den Manualen: Die einen finden es praktisch, die anderen gefährlich, weil man unbewusst drankommen kann. Ab besten bauen, aber mit einem Knopf abschaltbar.
Anlage der Koppeln: Manche kommen mit dem Touchdings zurecht, andere bevorzugen das Motto: Ich will sehen, was die Orgel tut, also: alles als Wippen o.ä. im Sichtfeld des Organisten. Ich habe aber auch unübersichtliche Spieltische erlebt, wo man lange nach der richtigen Koppel suchen muss.
Registerfessel: Manch einer hat es und benutzt es nie, andere vermissen es. Ich finde es praktisch.
Tastenfessel: Zum Improvisieren eine schöne Sache. Dabei interessante Frage: Additiv oder auslösend? Bei manchen Spieltischen kann man es umprogrammieren. Es gibt auch "intelligente" Systeme, bei denen beides geht: einzelne Töne werden addiert, ein neuer Akkord aber löst den vorigen ab.
Pedalteilung: Einer möchte das als Wippe haben, weil er es ständig einsetzt, andere wissen gar nicht, dass sie es haben (irgendwo im Touchdings).
Schöne Funktion: Mit einem Knopf stellt man ein, dass alle Druckknöpfe nun als Sequenzer funktionieren, egal, was sonst ihre Funktion ist. Mich irritierten dabei die Ausnahmen, wie soll man sich das merken? Entweder wirklich ALLE oder eine beigefügte Erklärung für die Einschränkungen.
Braucht man noch Nummern auf Registerwippen? Bei Zügen lässt man sie heute oft weg.
Wohin mit der Setzeranzeige? Zieht man das Notenpult nach vorne, kann man sie oft nicht mehr lesen, wenn sie über dem 4. Manual angeordnet ist.
Generell ist die Bedienung von Setzerkombinationen sehr unterschiedlich gelöst. Schade, wenn es nicht selbsterklärend ist.
Generell schwierig: Abkürzungen oder Symbole, deren Bedeutung man nicht errät.
Auch ein Ärgernis: Register im toten Winkel, also Wippen oder Registerzüge, die man von normaler Sitzposition nicht sehen kann. Erst wenn man sich zur Seite neigt, kann man sie erkennen. Ich finde das ungeschickt. Passiert gern bei geschweiften Registertableaus neben dem 1. Manual.
Ich habe übrigens alle Spieltische vermessen, alle waren anders! Insbesondere der Abstand von der Oberkante des Pedals zur Oberkante des 1. Manuals ist wichtig, aber auch der Einschub des Pedals. Bei manchen Spieltischen ist das Pedal so weit hinten, dass man das 1. Manual nur unbequem spielen kann. Gibt es dagegen nur einen kleinen Einschub, so ist das 4. Manual sehr weit weg. Der Überhang des 2. Manuals über dem 1. kann auch stören, weil die übrigbleibende Tastentiefe zu gering ist, man bleibt beim Spielen gerne an der oberen Klaviatur hängen.
Auch die Knöpfe zwischen den Manualen sind unterschiedlich: Manche löst man ohne Absicht aus, andere liegen so tief, dass man sie beim ersten Mal gar nicht auslöst, obwohl man daraufdrückt.


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