moderne Spieltische - war: Touchscreens ade, zurück zu Hebeln und Schaltern...

oHo, Freitag, 08. November 2019, 13:06 (vor 2489 Tagen) @ Orlos

Viele der angesprochenen Themen haben wir gründlich diskutiert und durchdacht. Vielleicht interessiert es den Einen oder Anderen, zu welchen Ergebnissen wir gekommen sind:

Thema Walze: Obwohl mehrere neue Spieltische eine solche aufweisen, würden viele befragte Kollegen einen Crescendo-Tritt bevorzugen.

Das funktioniert bei über ca. 60 Registern nicht mehr: Der Weg des Tritts ist zu kurz, um gut dosieren zu können. Und es ist praktisch nicht möglich (außer in den Endpositionen), den Fuß auf den Tritt zu stellen, ohne unbeabsichtigt etwas zu verändern.

Falls mehrere elektrische Schwelltritte vorhanden sind, ist ein Generalschwelltritt eine schöne Sache.

Der (verlorene) historische Spieltisch der Orgel, für die ich einen neuen plane, hatte schon fünf Schwelltritte (und eine Walze). Ein zusätzlicher Generalschwelltritt verbietet sich da aus Raumgründen. Stattdessen gibt es eine Registerwippe „Generalschweller auf Schwelltritt 3“ (das ist der rechts neben der Walze, der sonst das stärkere Schwellwerk bedient).

Viele Spieltische haben nur ganz wenige Pistons, oft nur für den Sequenzer. Ich persönlich freue mich, wenn auch Koppeln per Fußtritt schaltbar sind, viele Kollegen halten das für überflüssig.

Wir haben uns entschieden, wenigstens die Pedalkoppeln links als Pistons verfügbar zu machen. Mehr ging aus räumlichen Gründen nicht. (Allerdings gibt es rechts einen frei belegbaren Piston, auf den sich der Organist z.B. die II/I legen kann.)

Anordnung der Pistons: Manchmal ist der Schwelltritt (je nach Stellung) im Weg, wenn man auf den Sequenz-Piston treten möchte.

Rechts neben dem rechtesten Schwelltritt und links neben dem linksten sind für den Sequenzer je ein Löffeltritt vorgesehen. Die lassen sich auch unmittelbar neben Schwelltritten gut und „blind“ bedienen. Dazu gibt es auf jeder Seite 4 Pistons.

Radialpedal: In USA absolut üblich, in Deutschland immer noch selten anzutreffen. So auch bei meinen Besuchen bei neuesten großen Spieltischen, selbst in Kathedralen. Ich bin hin- und hergerissen: Ich mag die geschweiften Tasten, aber alle Dienstorgeln haben nur Parallelpedal. Würde ich jetzt einen Spieltisch anders bauen lassen, müsste ich mich ständig umgewöhnen. Auch die Gastorganisten würden Radialpedal eher nicht gewohnt sein.

Da bleiben wir beim Standard: Parallele Tasten, konkave Lage derselben, radiale Obertastenlängen.

Sequenzer als Leiste zwischen den Manualen: Die einen finden es praktisch, die anderen gefährlich, weil man unbewusst drankommen kann. Ab besten bauen, aber mit einem Knopf abschaltbar.

Ist hier in der Tat so (abschaltbar) für den Sequenzer geplant, allerdings sind die beiden Leistenhälften auch zusammen als Schalter für die Pedalumschaltung aktivierbar.

Anlage der Koppeln: Manche kommen mit dem Touchdings zurecht, andere bevorzugen das Motto: Ich will sehen, was die Orgel tut, also: alles als Wippen o.ä. im Sichtfeld des Organisten. Ich habe aber auch unübersichtliche Spieltische erlebt, wo man lange nach der richtigen Koppel suchen muss.

(Zumindest) die Normalkoppeln sucht man doch instinktiv in der werkweise üblichen Registerabfolge: „Labiale tief nach hoch, dann Linguale, dann Tremulanten, dann Koppeln.

Registerfessel: Manch einer hat es und benutzt es nie, andere vermissen es. Ich finde es praktisch.
Tastenfessel: Zum Improvisieren eine schöne Sache. Dabei interessante Frage: Additiv oder auslösend? Bei manchen Spieltischen kann man es umprogrammieren. Es gibt auch "intelligente" Systeme, bei denen beides geht: einzelne Töne werden addiert, ein neuer Akkord aber löst den vorigen ab.

In dem Bereich, in dem man fast nie einen Akkord greift und daher unabsichtliche Betätigung sehr unwahrscheinlich ist (über etwa D und E/F) haben wir zwei Drucktaster, einen für TF gegenseitig auslösend und einen für TF additiv vorgesehen. Auf ein System, das intelligenter ist als der Spieler, kann man über den Touchscreen zugreifen und dies einem der Knöpfe zuweisen… ;-)

Pedalteilung: Einer möchte das als Wippe haben, weil er es ständig einsetzt, andere wissen gar nicht, dass sie es haben (irgendwo im Touchdings).

Wenn es keine Wippe dafür gibt, ist es kaum nutzbar. Daher gibt es bei uns eine..

Schöne Funktion: Mit einem Knopf stellt man ein, dass alle Druckknöpfe nun als Sequenzer funktionieren, egal, was sonst ihre Funktion ist. Mich irritierten dabei die Ausnahmen, wie soll man sich das merken? Entweder wirklich ALLE oder eine beigefügte Erklärung für die Einschränkungen.

Auf diese Funktion haben wir verzichtet, da es unter I. die Knöpfe, beim Pedal die Löffeltritte und über jedem Manual die Leisten gibt.

Braucht man noch Nummern auf Registerwippen? Bei Zügen lässt man sie heute oft weg.

Das Weglassen ist unsinnig, wenn man jemals mit Registranten arbeiten können will: Man muss sonst in den Noten entweder Registerlangnamen mit Werkbezeichnung eintragen oder kryptische Abkürzungen. Beides ist nicht schnell erfassbar.

Wohin mit der Setzeranzeige? Zieht man das Notenpult nach vorne, kann man sie oft nicht mehr lesen, wenn sie über dem 4. Manual angeordnet ist.

Am besten zweifach: Einmal in die Unterkannte des Notenbretts, zusammen mit knappen Anzeigen für Crescendo und Schweller. Und dann ein größeres Display mit Detailinformationen mittig über dem obersten Manual. Ist letzteres verdeckt, bleibt immer noch das erste sichtbar.

Generell ist die Bedienung von Setzerkombinationen sehr unterschiedlich gelöst. Schade, wenn es nicht selbsterklärend ist.
Generell schwierig: Abkürzungen oder Symbole, deren Bedeutung man nicht errät.

Stimmt! Wird vermieden.

Ich habe übrigens alle Spieltische vermessen, alle waren anders! Insbesondere der Abstand von der Oberkante des Pedals zur Oberkante des 1. Manuals ist wichtig, aber auch der Einschub des Pedals. Bei manchen Spieltischen ist das Pedal so weit hinten, dass man das 1. Manual nur unbequem spielen kann. Gibt es dagegen nur einen kleinen Einschub, so ist das 4. Manual sehr weit weg. Der Überhang des 2. Manuals über dem 1. kann auch stören, weil die übrigbleibende Tastentiefe zu gering ist, man bleibt beim Spielen gerne an der oberen Klaviatur hängen.

Da wir elektrische Traktur haben, wird das gesamte Oberteil des Spieltisches und damit der Abstand I. Manual zu Pedal höhenverstellbar sein. Zusätzlich ist der Klaviaturblock auch horizontal verstellbar, so daß der Pedaleinschub variabel ist. Und schließlich lässt sich die Pedallage wählen: c unter c1, dis unter dis1 oder Mitte unter Mitte.

berichtet, fröhlich grüßend,
Oliver


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