moderne Spieltische - war: Touchscreens ade, zurück zu Hebeln und Schaltern...

Contrebasson 32' @, Wien, Dienstag, 13. August 2019, 12:21 (vor 2578 Tagen) @ Orlos
bearbeitet von Contrebasson 32', Dienstag, 13. August 2019, 12:27

Das Spannende dabei ist, dass das ganz unterschiedlich gesehen wird: Der eine Kollege findet es ganz toll, dass man Setzerkombinationsgruppen Namen geben kann, also einem Stück zuordnen kann, ein anderes hat das noch nie benutzt. Wobei: Wenn ich recht nachdenke, hat es bis auf einen KEINER benutzt.

Frühere Laukhuff-Setzer hatten die Möglichkeiten, dass man Setzer-Bereiche unter Komponisten und Titel in einem Archiv sichern konnte. Das war quasi ein Zwischenschritt zu den Möglichkeiten des Vario-Setzers. Aber ich habe nur selten gehört, dass diese Funktion genutzt wurde, ebenso bei Rieger-Setzern, die das meines Wissens nach auch konnten/können.

Thema Walze: Obwohl mehrere neue Spieltische eine solche aufweisen, würden viele befragte Kollegen einen Crescendo-Tritt bevorzugen. Falls mehrere elektrische Schwelltritte vorhanden sind, ist ein Generalschwelltritt eine schöne Sache.

Das Schwellen mit einer Walze ist gefühlvoller und kontrollierter möglich, wohingegen man mit deinem Crescendo-Tritt sehr schnell Gas geben kann. Da man diese primär für das Literaturspiel benötigt - wiewohl es gerüchteweise ja auch Organisten geben soll, die sich das Registrieren sparen und einen ganzen Gottesdienst mit Walze gestalten - würde ich aus historischen Gründen immer die Walze bevorzugen. Als meine alte Heimatorgel überholt wurde, wurde aber bewusst auf eine Walze verzichtet, Registercrescendi werden jetzt per Setzer realisiert.

Viele Spieltische haben nur ganz wenige Pistons, oft nur für den Sequenzer. Ich persönlich freue mich, wenn auch Koppeln per Fußtritt schaltbar sind, viele Kollegen halten das für überflüssig.

Ob man Koppeln per Fuß schaltet oder nicht, ist auch oftmals eine Frage der Ausbildung. Widor hat überlieferterweise verlangt, dass seine Studenten die Werke so einstudieren, dass sie während der Aufführung blind die Fußtritte bedienen konnten. Das ist heutzutage wohl eher weniger Teil der Organistenausbildung - auch im Hinblick darauf, dass es für die Position und Belegung der Pistons - im Gegensatz zum anglo-amerikanischen Raum - keine Norm gibt.

Anordnung der Pistons: Manchmal ist der Schwelltritt (je nach Stellung) im Weg, wenn man auf den Sequenz-Piston treten möchte.

Hier hilft ein Vorwärts-Piston auf beiden Seiten des Schwellers. Den Zurück-Piston kann man dann hingegen weiter außen positionieren.

Radialpedal: In USA absolut üblich, in Deutschland immer noch selten anzutreffen. So auch bei meinen Besuchen bei neuesten großen Spieltischen, selbst in Kathedralen. Ich bin hin- und hergerissen: Ich mag die geschweiften Tasten, aber alle Dienstorgeln haben nur Parallelpedal. Würde ich jetzt einen Spieltisch anders bauen lassen, müsste ich mich ständig umgewöhnen. Auch die Gastorganisten würden Radialpedal eher nicht gewohnt sein.

Radialpedal macht nur Sinn, wenn du dich bewusst umgewöhnen möchtest oder ihr viele Gastorganisten aus England oder Amerika dort habt - wobei ein guter Konzertorganist auch auf Parallelpedal spielen können muss. Im Altenberger Dom kann man als Kompromiss das Radialpedal gegen ein Parallelpedal tauschen - ich frage mich nur, wie oft das wirklich gemacht wird. ;)

Anlage der Koppeln: Manche kommen mit dem Touchdings zurecht, andere bevorzugen das Motto: Ich will sehen, was die Orgel tut, also: alles als Wippen o.ä. im Sichtfeld des Organisten. Ich habe aber auch unübersichtliche Spieltische erlebt, wo man lange nach der richtigen Koppel suchen muss.

Koppeln lassen sich auf verschiedene Art und Weise platzieren, wichig ist nur, dass die Platzierung stringent ist, eine farbliche Kennzeichnung erleichtert das Finden. Clever finde ich die Lösung, die Koppeln als Matrix in die Tastaturbacken einzulassen, so lassen sich die Teilwerke frei in 16'-8'-4'-Lage dem jeweiligen Manual zuweisen. So gesehen in St. Josef Bonn (oder war es in der Stiftskirche?) oder beim Sinua Spieltisch der Sauer-Orgel im Orgelpark Amsterdam. Hilfreich ist dann aber, beim Anschalten des Spieltischs eine Standardbelegung vorzugeben, die dann entsprechend verändert werden kann.

Registerfessel: Manch einer hat es und benutzt es nie, andere vermissen es. Ich finde es praktisch.

Gerade an Orgeln mit Setzer, aber ohne FKs finde eine Registerfessel sehr praktisch:
Registrierung Vorspiel einstellen, RF aktivieren, Registrierung Gemeindebegleitung einstellen, Vorspiel, RF deaktivieren, Gemeindebegleitung.

Braucht man noch Nummern auf Registerwippen? Bei Zügen lässt man sie heute oft weg.

Wenn ein Setzer vorhanden ist und nicht Nostalgie oder ästhetische Gründe dafür sprechen, sind Registernummern verzichtbar. Oft kann dann die Schrift der Registerbeschriftung größer gewählt werden, was dem Organisten zusätzlich zu Gute kommt.

Wohin mit der Setzeranzeige? Zieht man das Notenpult nach vorne, kann man sie oft nicht mehr lesen, wenn sie über dem 4. Manual angeordnet ist.

Clever finde ich die Lösung, wie sie z.B. Seifert schon öfters realisiert hat oder wie man sie auch beim Generalspieltisch des Freiburger Münsters findet: Die Setzeranzeige ist Teil des Notenpults, sodass sie immer im Blick ist.


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