Thierry Escaich in St. Lambertus, D-Altstadt

Rochus Schmitz ⌂ @, Münster, Dienstag, 03. Dezember 2013, 18:21 (vor 4651 Tagen) @ otto krämer

Ja, das wird immer wieder als besonderer Reiz des Improvisieren hervorgekehrt: Die Einmaligkeit dessen, was da produziert wird. Nun ist Eizigartigkeit noch kein Garant für Qualität. Und das mit der Einmaligkeit ist oft nur die halbe Wahrheit. Dort, wo der Spieltisch vom Publikum einsehbar ist, kann man nämlich beobachten, daß die Registrierungen mittels Sequenzer fortgeschaltet werden. Mit anderen Worten: Die Registrierungen hat der Spieler vor dem Konzert einprogrammiert. Und das geht ja wohl nur, wenn er die Musik bereits im Kopf hat. Wir hören also als Improvisation häufig auswendig gelernte Eigenkompositionen.


Nein!
Ein improvisierender Organist hat das Recht, sein Instrument gebührend kennen zu lernen und die Klänge, die er dann benutzt, auch vor zu bereiten.
Man stelle sich einen Pianisten vor, der den Flügel nicht zu sehen bekommt, bevor er spielt.
Und den Sequenzer zum Crescendo und zum Decrescendo zu benutzen mit einer gut ausgeklügelten Registrierung ist genauso legitim wie Reger mit oder ohne Walze zu spielen - oder Bach mit Hacke und Spitze oder was auch immer.

Nur mal diesen Aspekt herausgegriffen - das hat mich auch immer gestört: Ich kann nicht nachvollziehen, daß es mit dem Stegreifspiel vereinbar sein soll, am Vorabend Registrierungen vorzubereiten und während des Spiels (evtl. über fünf Minuten vorher bekanntgegebene Themen!) abzurufen. Klar soll der Improvisator sein Instrument, insbesondere die vorhandenen Stimmen, kennen (da hinkt der Vergleich mit dem Pedalspiel etwas, oder?). Aber die einzelnen Kombinationen vorbereiten kann ich sinnvollerweise nur, wenn ich weiß, was kommt. Oder es handelt sich um ein Schema, das der jeweiligen "Improvisation" übergestülpt wird.


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