Lübeck, St. Ägidien

Wolfgang Gourgé @, Donnerstag, 15. September 2016, 01:26 (vor 3640 Tagen) @ Orlos
bearbeitet von Wolfgang Gourgé, Donnerstag, 15. September 2016, 01:32

...insofern wiederholt man hier denselben Fehler wie in der Lübecker Ägidienkirche mit ihrer Klais-Orgel von 1982, die sicher ein schönes Instrument ist, aber eben nicht zum Scherer-Prospekt paßt.


Na, so streng wäre ich nicht. Wie ich selbst ausprobieren durfte, klingt die Klais-Orgel nicht völlig un-norddeutsch. Jedenfalls ist es kein romantisches Instrument geworden, das Schwellwerk ist eher ein Brustwerk. Aber gut: Die Stimmung ist schon gleichschwebend. Aber das wollte man dort auch so haben (und für Buxtehude gar nicht mal so blöd).
(Ich wollte ein Youtube-Video verlinken, aber ich habe im Internet keine einzige Aufnahme dieser Orgel gefunden. Ich kann mich auch nicht erinnern, jemals eine Schallplatte oder CD dieses Instruments in Händen gehabt zu haben. Seltsam.)

Andererseits: Wenn Klang und Prospekt zusammenpassen sollen, dann wären Cavaillé-Colls Meisterwerke zum größten Teil falsch, oder?

....sicher, diesen Widerspruch gibt es bei vielen dieser Orgeln, von St. Sulpice über St. Ouen/Rouen bis Toulouse/St. Sernin. Allerdings empfinden wir ihn dort nicht mehr als problematisch, weil er zum einen schon seit dem 19. Jahrhundert besteht, also seinerseits schon historisch ist, und insbesondere die Klangästhetik Cavaillé-Colls hervorragend zu den riesigen Räumen paßt ("singender Donner" - Thomas Lipski).

Demgegenüber ist die Clausthaler Kirche aber nicht riesig, und wenn ich Friedrich richtig verstanden habe, ist sie akustisch sogar sehr trocken. Vor diesem Hintergrund leuchtet mir das jetzige Konzept jedenfalls nicht ein.

Gruß,
Wolfgang

PS: ich habe nichts gegen einen "gleichstufigen" Buxtehude, wie ich überhaupt die Diskussion um die verschiedenen Stimmungsmodelle eher für eine technische als musikalische Diskussion halte; neulich waren in St. Cosmae in Stade bei BWV 564 die Grenzen der dortigen Temperierung deutlich zu vernehmen - ein für meine Ohren sehr unangenehm hoher Gesamtklang an der Schwelle zur Penetranz, der die Schärfen der ungleichstufigen Temperierung noch verstärkte. Ich kann bei dieser Gelegenheit mal wieder nur dieses Exemplar hier loben: es geht wirklich *alles*, und es geht *überzeugend*, von Scheidt oder Sweelinck (*langweil*.....) bis zur Gegenwart, ohne unbrauchbare Intervalle, die das Ohr foltern.....und bei aller Wucht und enormen Kraft, die die Orgel hat, ist sie auch noch sehr, sehr schön. "Eine Universalorgel im besten Sinn", meinte ein sehr orgelkundiger Besucher aus Wien bei einer Vorführung vor zwei Wochen....

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