Heiliggeist Clausthal, war: Orgelneubauprojekte in Clausthal und Freckenhorst

Friedrich @, Sonntag, 18. September 2016, 09:37 (vor 3637 Tagen) @ Wolfgang Gourgé
bearbeitet von Friedrich, Sonntag, 18. September 2016, 09:59


Das sagt mir jedenfalls dieser Prospekt. Sinfonik funktioniert doch in so einem Raum gar nicht, nicht so jedenfalls, wie diese Disposition es sich erträumt. Je mehr ich darüber nachdenke, desto blöder kommt die Idee mir vor.

Oder ist doch alles ganz anders? Blöder Kopf, ist rund, da ändert das Denken dauernd die Richtung …

Wenn man sich die Fotos bei Piet Bron anschaut, fällt auf, dass das Hauptwerk gegen eine Schwelle im Holzgewölbe spricht. Das geht erfahrungsgemäß nie gut. Wenn ich mich jetzt mal in einen Orgelplaner hineinversetze …

… dann sind die Pedaltürme möglicherweise akustisch in einer weit besseren Position zur Klangabstrahlung, weil sie unter der Schwelle durchtönen können.

Erster Schritt: Wäre das also ein besserer Platz für ein Hauptwerk? Das hätte dann freie Bahn rechts und links am Altaraufbau vorbei, und mehr Platz wäre auch, z. B. für eine labiale 16'-Basis.

Zweiter Schritt: Damit wäre das Ex-Hauptwerksgehäuse frei für ein 8'-Nebenwerk, was die größere klangliche Dimension noch einmal bestätigen würde. Ein Werkaufbau mit 16'-Hauptwerk, 8'-Oberwerk und 4'-Brustwerk ergäbe sich wie von selbst, und alle Manualwerke wären ganz vorne; das Nebenwerk wäre nun ferner nicht mehr das echohaft positionierte Brustpositiv, das gegen den Altaraufbau sprechen muss, sondern ein freier klingendes Oberwerk.

Dritter Schritt: Aber wohin mit dem Pedal? Es scheint nicht besonders viel Platz dafür zu sein, und bei einem solchen Klangaufbau schätzt man reichliche Mensuren und, wenn möglich, mindestens einen 32'. Also öffnen wir den Raum hinter der Orgel für einige Extensionsreihen und bedienen uns, um der Präsenz willen, beim Hauptwerk mit ein paar Transmissionen. Haben schließlich die Fiske in Lausanne auch so gemacht.

Vierter Schritt: Damit ist das Pedal von vornherein Koppelwerk, was im eher sinfonischen Zusammenhang besser funktioniert als im klassischen. Der Raum hinter der Orgel ist nun schon aufgemacht – also lässt sich die Sache zuende denken: Dort knetet man noch einen Schwellkasten hin, als Hilfspedal einerseits, andererseits zur Öffnung der immer noch verhältnismäßig klassischen Anlage der Orgel ins Sinfonische.

So kommt man einigermaßen konsequent zu einer Anlage, wie sie hier mutmaßlich geplant ist.

Trotzdem stört mich diese Anlage.
Gäbe es tatsächlich keine andere Lösung, den Prospekt und die Raumakustik in ihr Recht zu setzen?
Bedeutet eine Intonation in Richtung Sinfonik nicht hier zuviel Zurücknahme in der Ansprache, gleichzeitig zu forcierte Grundtönigkeit?
Und all das nur, um einer großzügigen Akustik und einem Verschmelzungklang hinterherzujagen, die es so in diesem Holzbau gar nicht geben kann?
Käme dieser speziellen Akustik nicht ein anderes Konzept viel eher entgegen – kräftig, vordergründig, artikuliert und mit kernigem Bass, der gar nicht zu wummern braucht, weil er eben markant genug ist?

Ist zwar eh alles zu spät – aber bei so einem Prospekt und einem kompletten Neubau kommt man eben ins Träumen.

Viele Grüße
Friedrich


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