Lesenswert: Festschrift zur Klais-Orgel im Großen Saal der HfM Würzburg

Karl-Bernhardin Kropf @, Rostock, Montag, 02. Februar 2026, 16:56 (vor 206 Tagen) @ Orlos

"Neu erfahrbar" ist eine sehr freundliche Umschreibung dafür, dass etwa Musik in Des-Dur unerträglich klingt. Vor allem ist es ein bewusstes Ignorieren der Tatsache, dass Komponisten (spätestens!) ab dem 19. Jahrhundert für eine gleichschwebend gestimmte Orgel komponiert haben. Einerseits romantische Register möglichst "originalgetreu" nachbauen, dann aber eine völlig untypische Temperierung legen, darauf muss man erst einmal kommen.

Es ging mir etwas ähnlich, aber es ist wirklich temperaturabhängig. Hamburg Nikolai ist auch ungleichstufig, aber fast gar nicht. (Saage irgendwas, vermute ich).

Ich erlebte dieser Tage wieder mal intensiver diese Kuhn-Orgel. Hausorganist Heiner Arden sagte mir, dass die ungleichstufige Ausgangstemperatur mit der Zeit etwas verlorenging, anscheinend hat sich das Material auch selbst in diese Richtung bewegt, wenn man so will. Ein kleiner Rest ist da, gerade so, dass man bei manchen Tonarten fragt: So schön ruhig - ist das ungleichstufig?
Aber man fragt nicht mit verzogenem Gesciht bei Des-Dur: So schrill - ist das ungleichstufig?

Meine erste Begegnung mit einer fragwürdigen Temperierung war 1989 hier. Ich registrierte damals Bine Bryndorf, zum Schluss gab es Reger "Wachet auf". Am Spieltisch lag ein Zettelchen (vom Orgelbauer?) "Stemming Werckmeister III". Vermutlich war er stolz drauf - aber ich erinnere noch gut den Schluss: das prächtige C-Dur des vorletzten Akkordes, das dann in ein recht scharfes E-Dur überging.... Gewissermaßen eine Enttäuschung im letzten Akkordwechsel. War das nicht auch bei Bosserts Einweihungskonzert in WÜ so zu erleben?


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