Die Tanaka-Orgel und Umgang mit "unzeitgemäßen" Orgeln im 19. Jahrhundert

MCVL @, Sonntag, 08. Februar 2026, 10:45 (vor 201 Tagen) @ Echinacea
bearbeitet von MCVL, Sonntag, 08. Februar 2026, 10:56

Im Walcker-Archiv liegen die Pläne zu Tanakas Entwurf einer mechanischen Orgel in reiner Stimmung. Diese Pläne sind ein klein wenig jünger als 1870...

Das waren nicht nur Pläne, sondern die Orgel wurde real ausgeführt. Ein Exemplar davon gelangte 1894 auf Betreiben des angesehenen dortigen Musiklehrers und Orgelrevidenten Johann Georg Fröhlich in das Lehrerseminar (Bad) Saulgau. Die Orgel wurde als absolute Novität bezeichnet, auf welcher das Spiel eigens erlernt werden muss.
In einer der württembergischen Lehrerzeitschriften (Vereinsbote oder Magazin für Pädagogik - müsste ich jetzt nachschauen) erschien auch ein umfassender Bericht über die Orgel.
Sie war aber nicht mechanisch, sondern mit einer elektropneumatischen Traktur ausgestattet, die nicht wirklich zuverlässig funktionierte und in der Folgezeit häufige Reparaturen erforderlich machte.
Die Akten dazu liegen im Staatsarchiv Sigmaringen, im Bestand Wü 136/20 (Lehrerseminar Saulgau).

Und wie war das wohl mit all den Orgeln, die man im 19. Jahrhundert sonst wo vorfand, die dann 100 oder 200 Jahre alt waren und in einer "alten Stimmung" spielten?
Wurden die dann im 19. Jahrhundert alle umgestimmt, damit man endlich auch Des-Dur spielen konnte?

Die meisten ja, es wurde in der Regel in Gutachten von Orgelrevidenten und Angeboten von Orgelbauern explizit darauf hingewiesen, daß die Orgeln anläßlich Überholungen und Umbauten eine gleichstufige Temperatur erhalten und auf Pariser Tonhöhe gebracht werden.
Beispielsweise bezeichnete der Konstanzer Münsterorganist und Orgelsachverständige Carl Ferdinand Schmalholz, ein sehr schreibfreudiger und mitteilsamer Zeitgenosse, ungleichstufige Stimmungen neben unzeitgemäßer Stimmtonhöhe, kurzen Oktaven und minimalistischen Pedalumfängen als ein Grundübel, welches es zu beseitigen galt.
Auch wurden Versuche unternommen, solche Dinge mittels Ministerialerlassen allgemein zu regeln.

Jedenfalls gab es damals viel mehr derartige alte Orgeln aus dem 18. oder 17. Jahrhundert, als wir sie heute noch kennen würden.

Das ist richtig, aber zumindest im süddeutschen Raum wurden diese Orgeln im Laufe des 19. Jahrhunderts nahezu alle modernisiert und durch neue Temperierung, veränderte Stimmtonhöhe, Ergänzung der Klaviaturumfänge, Einbau neuer Balganlagen an zeitgenössische Standards angepasst, wenn sie nicht gleich aus den genannten Gründen und natürlich wegen den "verfehlten" Dispositionen ("Schreiwerke" usw.) komplett durch Neubauten ersetzt wurden.

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Das Gesamtresultat der Prüfung war ein äußerst günstiges, was zur wohlverdienten Weiterempfehlung des in seinem Fache großen Plattlinger Meisters förmlich drängt. (Mariakirchen 1905)


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