Anschnallen: Was sich Theologinnen wünschen

Wolfgang Gourgé @, Sonntag, 15. März 2026, 16:09 (vor 165 Tagen) @ ArnezN

Aber ist nicht gerade das Nutzen von verschiedenen Geschlechterformen in diesem Fall dazu gedacht, die rein männliche Wahrnehmung Gottes aufzubrechen? Soweit ich das verstanden habe, geht es nicht darum, in theologisch-universitären Kreisen Gott das eine oder das andere oder gar kein Geschlecht zuzusprechen, sondern den Gläubigen, die aufgrund von Traumata und negativen Erfahrungen Probleme mit einem Geschlecht haben, eine Möglichkeit zu geben, Gott ohne dies negativ erfahrene Geschlecht zu sehen. Auch wenn die Frage theologisch völlig unwichtig ist, kann eine solche sprachliche Kleinigkeit psychologisch sehr wichtig sein.

...sicher, es ist gut gemeint. Die Prohibition war auch gut gemeint. Ansonsten gilt, was ich schrieb: wenn die "geschlechtliche Einordnung" Gottes falsch ist, ist seine weibliche Einordnung genauso falsch wie seine männliche, und von "Geist" auf "Geistkraft" auszuweichen, nur weil das eine weibliche Form ist, ist lächerlich. Und die Sprache ist nunmal begrenzt, so wie auch Noten eine Komposition niemals vollständig wiedergeben können. Ich halte es für sinnvoller, diese Begrenztheiten zu akzeptieren, als sie durch das infinite Aufblähen der Sprache kompensieren zu wollen, zumal auch die weibliche Bezeichnung "ausschließt".

Dass beide große Kirchen gerade hier sensibel sind und sein müssen, liegt auf der Hand. Vor diesem Hintergrund und mit der Erkenntnis, dass das Geschlecht Gottes für mich tatsächlich völlig irrelevant ist, kann ich auch entspannt von einer Geistkraft hören.

...ich empfinde das Gendern in diesem Bereich so ziemlich als das Gegenteil von "Sensibilität". Plump-belehrender Sozialpädagogen-Jargon ist für mich übergriffig, weil der/-/diejenige, der/die ihn verwendet, sich damit gegenüber dem Adressaten die Rolle eines/r Quasi-Erziehers/in anmaßt und diejenigen, die ihn praktizieren, zudem genau wissen, dass er von einer überwältigenden Mehrheit der Bevölkerung dezidiert nicht geteilt wird. Und ich halte es für keine gute Idee, wenn die Kirchen eine Sprache zu verwenden versuchen, die vom normalen und akzeptierten Sprachgebrauch derartig weit entfernt ist.

Du wirst vielleicht einwenden, dass die katholische Sicht des "Oberhirten" mit seinen "Schafen" genauso übergriffig ist - richtig, ist sie auch. Ich möchte nicht mit einem Schaf verglichen werden und kann auch in katholischen Klerikern keine "Hirten" sehen, denen ich als Tier zu folgen hätte (vom totalen Ansehens- und Autoritätsverlust durch den Missbrauchsskandal gar nicht zu reden, mittlerweile glaube ich nicht mehr, dass sich das noch reparieren lässt). Aber die eine Übergriffigkeit mit einer anderen zu ergänzen, kompensiert nichts, es fügt nur neue Übergriffigkeit hinzu.

Klar spielt dabei auch Gewöhnung eine Rolle. Aber die ist ja nicht schlechterdings illegitim. Gerade die Kirchen sollen die "Verortung" des Menschen in größeren, weit über alles Menschliche hinausragenden Zusammenhängen verkörpern und damit auch Zuversicht und "Erlösungsgewissheit" - "alles wird gut" - vermitteln. Solche Zusammenhänge zeichnen sich aber gerade dadurch aus, dass sie sich nicht wesentlich ändern. Das Alpha und das Omega bleiben, egal, welcher Trend und welche Mode oder sonstige kollektive Idiotie gerade die Wahrnehmung und das Verhalten bestimmt. Das zerstört man, wenn man Trends hinterherläuft.

Und schon Dickie Hoppenstedt war ein Kind, das alles hatte - so dass sich die Frage nach dem "Zipfelchen" gar nicht stellte, wie sein Großvater zutreffend erkannte. Vielleicht sollten die besagten Theologinnen mal daran denken, ob sie in ihrem Übereifer nicht jener Verkäuferin mit der schrecklichen Brille ähneln....


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