Anschnallen: Was sich Theologinnen wünschen

Wolfgang Gourgé @, Donnerstag, 26. März 2026, 14:35 (vor 154 Tagen) @ Friedrich
bearbeitet von Wolfgang Gourgé, Donnerstag, 26. März 2026, 15:53

Auf Van ist ein langer Essay zum Thema erschienen, in dem Autorin Susanne Westenfelder ausführlich und kundig Stellung nimmt. Link (zu einer reinen Textversion, Zeit mitbringen)

...vielen Dank für das Verlinken. Ich unterschreibe jeden Satz Westenfelders, deren analytische und musikhistorische Tiefe und Gespür für die ganzheitliche (also auch gesellschaftliche) Dimension der Problematik beeindrucken.

Aber ich bin mir mittlerweile sicher: Westenfelders Kritik wird in den Kirchenhierarchien und erst recht in den Gesangbuch-Gremien ignoriert werden. Was sie kritisiert (und ja nicht nur sie, sondern auch andere), was sie kommen sieht: der mutwillige Traditionsbruch, das Ausgrenzen der Milieus, die die evangelische Kirche über Jahrhunderte getragen haben, insbesondere die Brüskierung der gebildeten bürgerlichen Schichten, die das gesellschaftliche Rückgrat der Kirchen sind - das alles ist kein Versehen. Es ist gewollt. Anders lassen sich die Besetzungen dieser Gremien, ihre Verfahrensweisen, ihre ständige Inschutznahme durch die Kirchen und deren Ignoranz gegenüber jeder Kritik nicht mehr erklären. Es ist die konsequente Umsetzung des Spruchs "Kein Stil ist besser als der andere", dessen rhetorische Fortsetzung die stereotype Berufung auf die angeblich nötige "Vielfalt" ist - die sich in der Praxis seltsamerweise immer zugunsten der Einfalt auswirkt, die sich keinen skeptischen Nachfragen kirchlicher Verantwortlicher hinsichtlich der Qualität ihrer Erzeugnisse zu stellen braucht.

"Erprobungsphase" - ? Wenn ich das schon höre. Das ist nichts weiter als Partizipationssimulation, die einzig und alleine den Zweck verfolgt, Kritik am Gesangbuch mit Verweis auf dessen pseudodemokratisches Zustandekommen als Auflehnung gegen den angeblichen Mehrheitswillen abbügeln zu können. In Wahrheit steht das Ergebnis fest, das Gesangbuch wird am Ende genau so aussehen, wie es jetzt konzipiert ist - getreu dem Spruch Walter Ulbrichts: "...es muss demokratisch aussehen, aber wir müssen alles in der Hand haben". Wer glaubt, da seien noch substanzielle Änderungen möglich, kann ebensogut daran glauben, dass Nachtfalter Nächte falten, zumal die Berücksichtigung der Einwände das Einstampfen des Konzepts des jetzigen Entwurfs und einen kompletten Neubeginn erforderlich machen würde.

Bleibt nochmal die Frage: wo ist eigentlich die GdO? Wo sind die Berufsverbände der Kirchenmusiker und -musikerinnen?

Fragt sich, die Kirchen und die GdO allmählich abschreibend:
Wolfgang


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