St. Michael Saarbrücken

MCVL @, Sonntag, 24. Mai 2026, 23:03 (vor 95 Tagen) @ 3rd_astronaut
bearbeitet von MCVL, Montag, 25. Mai 2026, 00:21

wenn aber an einer orgel das bestreben erkennbar ist, mit allen technisch damals verfügbaren mitteln schnelle registerwechsel zu ermöglichen, finde ich erweiterungen nicht entgegen der vision des orgelbauers. auch in der musik regers sehe ich diesen wunsch angelegt.

Das zweifel ich auch nicht an, habe auch versucht, es in der Antwort zu KBKs Beitrag etwas aus zeitgenössischer Sicht zu erläutern. Gerade Peter Griesbacher wurde von Zeitgenossen öfters als der "Reger der katholischen Kirchenmusik" bezeichnet und er war allem Fortschritt gegenüber aufgeschlossen und zog die Palästina-Verehrung gerade der Regensburger Cäcilianer wie Witt und Haberl öfters unschön durch den Kakao, was ihm in diesem Umfeld wenig Freunde einbrachte.
Was aber trotzdem nichts an der Tatsache ändert, dass eine 1910 von Griesbacher konzipierte Orgel keinen Setzer mit x Speicherplätzen besessen hat und ein solcher Einbau auch nicht damit gerechtfertigt werden könnte, nur weil Griesbacher einer besonders progressiven Orgelbautechnik das Wort redete.
Er hatte die Möglichkeiten seiner Zeit zur Verfügung und nicht nehr.

Auch wenn das jetzt weiter weg führt, möchte ich doch eine Gegebenheit erwähnen, die mir vor einiger Zeit widerfahren ist (ohne danach einen Asbach gesoffen zu haben : -D ).

Eigentlich ging es um die Version von Joseph Haydns Orgelkonzert Nr. 1 in der Fassung mit 2 Trompeten und ich wusste, dass Christopher Hogwood mit der Academy of Ancient Music diese eingespielt hat. Ich wollte mir da einige Passagen anhören und auf der Platte ist auch das einzige authentische Hornkonzert von Haydn enthalten (ich meine Hob:VIId:3).
Das Hornkonzert habe ich schon ewig nicht nehr gehört, fand es aber immer schon eines der (neben den Tageszeiten-Sinfonien und einem vielsätzigen Divertimento) vielleicht gelungensten und interessantesten Werke aus Haydns ersten Esterhazy-Jahren, mit sehr eingängigen Themen, die auch wunderbar verarbeitet und durchgeführt werden.
Jedenfalls habe ich mir anschließend nach dem Anhören von Hogwoods Aufnahme, die mir persönlich absolut zusagt, auf YouTube nach anderen Einspielungen umgesehen um den Horizont zu erweitern. Ich bin dort auf eine sehr ansprechende Aufnahme eines niederländischen Ensembles gestoßen, die mich auch überzeugt hat und habe ich mir die Kommentare dazu durchgelesen.

Einer der Kommentare lautete, dass die Aufnahme überhaupt nicht gelungen sei und sich das Konzert gespielt auf einem modernen Ventilhorn weitaus besser anhören würde und wahrscheinlich Haydn selbst das Ventilhorn präferiert hätte, so denn es ihm zur Verfügung gestanden wäre.

Mit diesem Kommentar beginnen meine Probleme. Haydn war sicher alles andere als ein rückschrittlicher Musiker und Komponist, aber ist ihm des nächtens im Traun das Ventilhorn erschienen (er hat ja das Konzert "in Schlaff" geschrieben : -D)?
Nein, er hat dieses Konzert für Naturhorn komponiert und nicht in weiser Voraussicht, dass später das Ventilhorn eingeführt werden wird.
Wie hätte Haydn die Solostimme konzipiert, wäre ihm ein Ventilhorn zur Verfügung gestanden? Wäre damit nicht auch die ganze Grundkonzeption des Hornkonzerts ins Wanken geraten, hätte Haydn dann womöglich auch thematisch ein völlig anderes Werk konzipiert?

Mir gefällt diese ganze Spekulation, wenn - dann - hätte - würde, usw überhaupt nicht. Haydn hat sich den Mitteln die zur Verfügung gestanden sind, angepasst und genau so haben es andere Komponisten getan.

Und mal ehrlich gesagt: wahrscheinlich haben selbst die guten bis besten Organisten an spätromantischen Orgeln des deutschsprachigen Raums viel mehr an den Walzen herumgerödelt, als es uns heutzutage lieb ist.

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Das Gesamtresultat der Prüfung war ein äußerst günstiges, was zur wohlverdienten Weiterempfehlung des in seinem Fache großen Plattlinger Meisters förmlich drängt. (Mariakirchen 1905)


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