Orgelprojekt St. Kastor, Koblenz (Teil 2, Neubau)

kjz1, Sonntag, 24. August 2014, 14:18 (vor 4386 Tagen) @ kjz1

Hallo!

Vor einer Woche hatte ich ich bei unserer Gemeinde angeregt, dass man die neue Orgel jetzt ja eigentlich mal probehören könne. Und unser Organist (Prof. Höhnen) tat den interessierten Zuhörern nach dem Gottesdienst dann den Gefallen und warf die Gebläse an.

Die Orgel habe ich einmal aus dem Raum und dann auch direkt am Spieltisch gehört. Prof. Höhnen improvisierte mit vollgriffigen Akkorden und Doppelpedal und registrierte dann langsam bis zum (jetzt bereits spielbaren) Tutti auf. Zur Zeit müssen noch ca. 10 Register intoniert werden (auch der 32'), es ist also ca. 3/4 der Orgel spielbar.

Und wie klingt es? Nun, kurz gesagt: der 'Wow!-Effekt'. Die Orgel ist IMHO recht eindeutig im Tutti auf Kraft und Stärke intoniert. Mir persönlich haben da fast noch die leiseren Registermischungen besser gefallen. Im Tutti (evtl. auch bedingt durch die Superoktavkoppeln) sind die Obertöne IMHO fast schon leicht grenzwertig. Nach der Förster & Nicolaus Orgel in der Nachbarkirche St. Florin dürfte die Orgel also eine weitere 'Wuchtbrumme' werden. Wobei der Raum in St. Kastor es noch eher 'verträgt', da hier eine entsprechende Kathedral-Akustik vorhanden ist.

Vom Typus her ist es recht eindeutig: 'Kathedral-Orgel'. Wobei hier die Mensuren zum Teil noch weiter gewählt wurden als bei Cavaille-Coll. Und mit Patrick Akroud wird die Orgel auch von einem Franzosen intoniert, der die Orgeln von Cavaille-Coll sehr genau kennt. Glücklicherweise wurde eine romantische Intonation gewählt, das macht dann die Obertöne etwas erträglicher. Wobei sich der Orgelbauer bei diesem Projekt ganz besonders engagiert hat, also es ist kein 'ein Projekt von vielen'.

Der Spieltisch selbst befindet sich ja quasi mitten in der Orgel. Da würde ich raten: ggf. Oropax mitbringen, wenn man längere Tutti-Passagen spielen möchte. Ich habe auch direkt neben dem Solowerk gestanden, wo noch eine Klappe offen stand. Was die Hochdruckzungen da an Klang 'herausschieben', das ist schon sehr beachtlich. Andererseits sind die Schwellklappen aus ca. 5 cm dicker Eiche, das ist schon einiges an Masse zum Dämmen. Das könnte dann den 'caged roar' Effekt ergeben.

Zum Schluß gab es dann Szenenapplaus von den Anwesenden zu dieser gelungenen Vorführung.

Soweit mein Vorbericht mit meinen ganz persönlich gefärbten Eindrücken.

Viele Grüße,

- Karl-Josef


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