Alles Banane? Würzburg MHS auf der Klais-Homepage

MCVL @, Mittwoch, 21. August 2024, 20:35 (vor 737 Tagen) @ Karl-Bernhardin Kropf

Was ich wiederum äußerst kritisch ansehe, sind die Kegelladen mit der "Proportionaltraktur". Bossert scheint in seine Entdeckung an der Orgel in Hoffenheim so verliebt zu sein, daß er wohl tatsächlich davon ausgeht, daß Walcker die Kegelladen als ein Werkzeug für eine Anschlagstechnik konstruiert (oder eher Haussdorfers Lade so umkonstruiert) hat, welches eine dynamische Ansprache ermöglicht.
Wie ich das schon einmal erläutert habe, halte ich das für eine äußerst gefährliche Sichtweise, die so im 19. Jahrhundert nicht geteilt wurde, im Gegenteil, es ist nunmehr eine weitere Quelle aufgetaucht, die aufschlagende Kegel lobt, welche eben dieses Phänomen weitgehend eliminieren (Orgelbauinspektor Johann Baptist Molitor über die Martin-Braun-Orgel von 1882 in Mühlingen).


Ich finde wichtig, das zu wissen und zu verbreiten, wobei ich selbst nie auf diese Spur eingestiegen wäre - trotz meiner Liebe zu den Rand-Tönen der neuen Orgelsysteme. Definitiv ist die "neue" Kegeltechnik, vor allem im Spielen, teilweise auch im Bauen (insbesondere, wenn elektrische Verbindung in's Spiel kommt) ein nur teilweiser Rückgriff, vielmehr ein neuer Weg zu gewissen Ausdrucksmitteln. Und in der Tat abseits der Ansätze des 19. Jahrhunderts. Was den Weg nicht abwertet, aber vor Etikettenschwindel hüte man sich.

Genau das wollte ich damit ausdrücken. Man sollte sich davor hüten, dieses für die Aufführungspraxis an Kegelladeninstrumenten des 19. Jahrhunderts als ein gültiges Faktum heranzuziehen.


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