Orgelauswahl, war: Würzburg MHS...

MCVL @, Dienstag, 27. August 2024, 23:34 (vor 731 Tagen) @ Karl-Bernhardin Kropf
bearbeitet von MCVL, Mittwoch, 28. August 2024, 00:12

Nur fehlen gerade einige prominente süddeutsche Werkstätten aus der Zeit der Hoch- und Spätromantik, die sich klanglich deutlich von denjenigen süddeutschen Firmen abheben, die berücksichtigt wurden.

Nanu???


Wir werden's nicht lösen können. Ich als Ösi hab schon mein Amusement über die Top-Systematiker geäußert und unterhalte mich weiterhin gut.
Ich erzählte
Anyway - der Unterhaltungswert ist da. Wie gesagt, ich schätze solche Gedankengebäude, man muss und sollte nicht alles wörtlich nehmen. (Sonst fange ich noch an, in Bruckners Nachlass nach den Purcell- und Buxtehude-Noten zu suchen, die ihn zu den Dominantseptakkorden mit Quartvorhalt inspiriert haben, damit ich nachweisen kann, dass die entsprechenden Orgelpunkte im ersten Satz von Bruckners Siebten schon in mancher Bux-Canzonetta oder einem Purcell-Chorsatz wurzeln....)

Ohne Zweifel ist der Unterhaltungswert vorhanden und wie ich das schon vor längerer Zeit schon einmal geschrieben habe, finde ich Bosserts Gedankengänge auch durchaus interessant.

Und um das auch aus dem Weg zu räumen - das betrifft jetzt nicht dich, aber andere, die mir so etwas unterstellen wollen - ich habe nichts gegen den Menschen Bossert oder betreibe hier ein gezieltes Bashing, ich habe nur einige seiner Thesen und Theorien in Frage gestellt und hier zur Vorsicht gemahnt, diese als allgemeingültig und in jeder Hinsicht historisch als korrekt aufzufassen.

Warum ich vielleicht etwas augenzwinkernd noch Neresheim erwähnt habe: hier versucht Bossert ja auch einen historischen Zusammenhang zwischen Walcker-Hoffenheim und Holzhey-Neresheim herzustellen.
Der Grund ist offensichtlich: Neresheim war die einzige Orgel von Holzhey, mit welcher EFW beruflich in Kontakt kam und zwar in Form eines Gutachtens.
Ob Walcker jemals eine der anderen Monumentalorgeln von Holzhey zu Gehör oder zu Gesicht bekam, ist durch keinerlei Quellen belegt.

Problematisch ist aber, daß Neresheim diejenige der großen Holzhey-Orgeln darstellt, die die schwerwiegendsten Eingriffe hinsichtlich Klang und Technik über sich ergehen lassen musste (Späth erstellte dort hinsichtlich Technik und Klang 1929 ja etwas, was wir heutzutage als Neubau unter Verwendung von vorhandener Substanz bezeichnen würden) und von der niemand wirklich behaupten kann, kann, ob sie zu der Zeit, als Walcker sein Gutachten abgefasst hat, so klang, wie wir sie heute kennen (das beginnt ja schon mit der Tonhöhe - ich sage nur Pauken auf A und d0...).

Warum also nicht die weitaus besterhaltene Monumentalorgel Holzheys, diejenige in Rot an der Rot für einen Vergleich oder eine Herleitung heranziehen? Diese ist mir bestens bekannt, dort wirkt aber etliches gerade eher wie Kiene in Beromünster oder umgekehrt...

Nun, vieles kann man sich zurechtbiegen, aber man sollte schon so korrekt sein, auf den Zustand der Orgeln und den an ihnen im Lauf der Zeit vorgenommenen Eingriffe genauer einzugehen, diese zu berücksichtigen und gesicherte (und nicht nur "geschichtete") Fakten auf den Tisch legen.

Auch wenn ich den einen oder anderen jetzt wieder zum Schäumen gebracht habe, das war nicht das erklärte Ziel, sondern es geht mir rein darum, manches genauer unter die Lupe zu nehmen und zu differenzieren.


P.S. Mir ist übrigens noch ein beachtliches Vergleichsinstrument zu Hoffenheim im Kontext zu Beromünster oder Neudingen eingefallen: die Engelfried-Orgel in Gönningen von 1844, auch eine ganz besondere klangliche Welt.
Und in Zukunft erklingt am Oberen Neckar hoffentlich wieder eine ähnliche Orgel seines Bruders Franz Anton Engelfried aus dem Jahr 1850 wieder in der möglichsten Originalgestalt, dafür sprechen jedenfalls Sachberatung und ausführende Werkstätte.


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