Alles Banane? Würzburg MHS auf der Klais-Homepage

Karl-Bernhardin Kropf @, Rostock, Donnerstag, 22. August 2024, 09:09 (vor 737 Tagen) @ MCVL

Und Sinzig hatte durchaus Wirkung. Ohne Sinzig hätte es St. Peter/Köln so nicht gegeben. Und die dortigen Projekte haben durchaus etwas zur Verbindung zwischen Kunst- und Orgelszene beigetragen.


Aber welche Breitenwirkung?

Bossert lebt in seiner eigenen Welt, wie in einem Hamsterrad und versucht seine Ideale oft als gemeingültig zu verkaufen.

Ich habe mir seine Reger-Gesamteinspielung angetan und ich war mir sicher, bevor ich mir sie angehört habe, welche Orgeln er für diese Einspielung herangezogen hat. Nur solche, die seinem Ideal entsprechen von einem "geschichteten" Klang.

Damit sind Orgeln von Weigle oder Späth, Siemann und Hindelang sowieso von vornherein ausgeschlossen. Mir ist Bosserts Klangideal bewusst: flächige, etwas dumpfe und wie er sagt "geschichtete" Intonation, so wie er sich es vorstellt und wie es beispielsweise Link und Walcker und teilweise Steinmeyer lieferten. Eher harmlos, dafür aber so etwas, was die Jungs der Orgelbewegung als "Riesenharmoniums" bezeichnet haben. Aber das ist nicht allgemeingültig.

Mir fehlt, was Bossarts Romantik-Ideal oder süddeutschen Orgelbau dieser Zeit betrifft, zu sehr der Durchblick, aber diese Kritik halte ich für treffend. Was mir immer auffällt, vielleicht auch als genetischer Österreicher, ist diese deutsche Sehnsucht nach Klassifizierung und Systematik.
Gerade charismatische Personen kommen damit ziemlich weit, denken wir an Harald Vogel. Jemand anders, der allerdings nicht charismatisch, sondern eher energisch-verbissen agiert, ist Klaus Beckmann. Alle aber haben Freude an der Taxonomie, erfinden munter Gattungsbegriffe, Beckmann gerne mit hohem Anteil an Latein oder Griechisch.
Und das Auditorium ist angetan, kommt da schwer gegen an (ich z. B. kann kein Griechisch ;-). Und weil man sich fragt: Ist das denn wirklich so?, sind wir dankbar, wenn ab und an manches Gedankengebäude dann doch mal einen Riss bekommt, ausgelöst durch eine mutige Nachfrage auf einem Meisterkurs, einen Leserbrief eines ebenfalls als Herausgeber routinierten Organisten....
So gesehen ist auch das Infragestellen der Bossertschen Thesen wichtig und richtig. All diese Gefechte steigern ja auch den Unterhaltungswert unserer Szene! Und selbst dafür sollten wir dankbar sein.


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