Ganacker - Weise und seine Transmissionsorgeln

MCVL @, Mittwoch, 10. Dezember 2025, 21:05 (vor 271 Tagen) @ FranzS.
bearbeitet von MCVL, Donnerstag, 11. Dezember 2025, 09:41

Nachdem mir nun ein sehr aufschlußreicher Kostenvoranschlag von Michael Weise aus dem Jahr 1935 zum Umbau der Translationsorgel Lalling 1910 in eine Normalorgel vorliegt, aus welchem auch mehrere technische Details hervorgehen, möchte ich auch nochmal anfügen: Ganacker war hundertprozentig eine Translationsorgel.


Lalling war der Standard-Typ mit 10 Registern, Ganacker eine kleinere Version mit 7 klingenden Registern. In Lalling war im Manual zusätzlich Quintatön und eine Mixtur disponiert, im Pedal zusätzlich ein Violon 8'

Ob die 1944 für Ganacker genannte Octav 4' noch original war, möchte ich bezweifeln, mit höchster Wahrscheinlichkeit stand dort ursprünglich eine Traversflöte 4' wie bei den anderen Translationsorgeln von Weise.

Lalling wurde folgendermaßen in eine Normalorgel umgebaut:

I. Manual
1. Principal 8'
2. Gamba 8'
3. Octav 4' (1935 anstelle Traversflöte 4' eingebaut)
4. Mixtur 2 2/3' 4fach

I. Manual
5. Gedeckt 8'
6. Quintatön 8'
7. Salicional 8'
8. Vox celestis 8' (1910 als Aeoline bezeichnet und schwebend gestimmt)

Pedal unverändert, die Sammelzüge Vox coelestis, Oboe und Clarinette wurden entfernt.

Bis auf die Entfernung des Sammelzug für die Vox celestis war das in Ganacker 1:1 die gleiche Vorgehensweise wie in Lalling.

Es ist gut möglich, daß in Ganacker das Blendbrett im Bereich der Registerschalter vollständig erneuert wurde, vermutlich wurde auch der Schaltapparat für die zweite Registerklaviatur wie in Lalling entfernt. Die automatische Pedalumschaltung dürfte auch erneuert worden sein. Neu hinzu kam die bei den Translationsorgeln grundsätzlich nicht vorhandene Manualkoppel II-I.

Aus dem Kostenvoranschlag von Michael Weise zu Lallig gehen übrigens mehrere interessante Details zur Technik der Translationsorgeln hervor.
Die Translationsorgeln von Weise waren mit Doppelkanzellen für jedes Manualregister ausgestattet, was bei Kegelladen nicht notwendig ist, aber bei den reinpneumatischen Weise-Laden. In den Stöcken müssen die beiden Bohrungen von den Doppelkanzellen dann zusammengeführt worden sein. Ob in diesem Bereich Rückschlagklappen angebracht waren, ist mir noch ein Rätsel, es kann aber technisch mit solchen Klappen meiner Meinung nach nicht funktioniert haben, beispielsweise wenn ein Register in beiden Manualen gezogen war und die Superoctavkoppel II-I verwendet wurde. Das muss ich mir aber einmal an einer erhaltenen Orgel anschauen.

Jedenfalls müssen an umgebauten Translationsorgeln wie in Ganacker noch die Doppelkanzellen vorhanden sein, jeweils eine natürlich stillgelegt. Bei abgenommenen Stöcken wäre das sofort zu erkennen. Ebenso müssten die Stöcke durch die Doppelkanzellen und Verführungen breiter angelegt sein als bei gewöhnlichen Windladen. Der Sache werde ich jedenfalls auf den Grund gehen.

Das Baujahr für Ganacker muss 1908 oder später anzusetzen sein, ich hoffe, im "Landauer Boten" etwas über die Orgelweihe/Abnahmeprüfung zu finden.


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